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    Elvis Costello (22) aus coburg / brd schrieb am 16.05.2011 Eintrag Nr. 41    
Montag, 16. Mai 2011
Der Tagesspiegel
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13.05.2011 13:15 UhrVon Nicole SimonKommentare: 23
Psychologie
Was ist schon normal?

Eine Gruppe von Wissenschaftlern arbeitet an einer Neuauflage der amerikanischen Diagnostik-Bibel DSM. Kritiker befürchten, dass dabei Krankheiten erschaffen werden, die keine sind.

Einer der Grundpfeiler der hippokratischen Medizin lautet: primum non nocere – zuerst keinen Schaden anrichten. Wenn es nach dem Psychiater Allan Frances geht, wird dieser ethische Grundsatz zurzeit von seinen Kollegen untergraben. Denn eine Gruppe von Wissenschaftlern arbeitet an einer Neuauflage des amerikanischen Klassifikationssystems für psychische Störungen, dem DSM. Hier steht geschrieben, wo Normalität aufhört und Psychische Störungen anfangen, was noch Trauer ist und was schon eine Depression und wie temperamentvoll ein Kind sein darf. Seit die Amerikanische Psychiatervereinigung APA jedoch vor fast einem Jahr erste Einblicke in die geplante fünfte Ausgabe des Handbuches gewährte, tobt ein erbitterter Streit.

Wissenschaftler, Mediziner und selbst Autoren der neuen Ausgabe fürchten, dass mit der Veröffentlichung Millionen neuer Patienten erschaffen werden.

Der Trend wäre zumindest kein neuer. Wurden in der ersten Ausgabe 1952 noch ein paar Dutzend Krankheiten beschrieben, heute sind es laut DSM-4 insgesamt 357. Mit DSM-5 wird es die nächste Revolution geben. „Wir kommen an den Punkt, wo es kaum noch möglich ist, ohne eine geistige Störung durchs Leben zu kommen oder zwei oder eine Handvoll“, sagt Allan Frances, Schirmherr der Vorgänger Ausgabe DSM-4 und einer der größten Kritiker von DSM-5.

Für Kritik sorgt etwa die Neuaufnahme eines abgeschwächten Psychose-Syndroms, so etwas wie die Vorstufe einer Psychose. Die Idee dahinter ist: Wenn man so früh wie möglich die Kinder ausfindig macht, die später eine Psychose bekommen, lässt sich eine ernsthafte Erkrankung vielleicht verhindern. Für Wolfgang Gaebel, Psychiater an der Uniklinik Düsseldorf und einer der wenigen Europäer im DSM-5-Experten-Komitee ein echter Fortschritt, weil „nun auch abgemilderte Krankheitsformen einen diagnostischen Wert bekommen“. Bislang sitzen diese Patienten fest in einem Raum zwischen Normalität und Krankheit. „Hier wird die neue DSM-Klassifikation Klarheit bringen“, sagt Gaebel.

Doch wie hoch darf der Preis sein, den man dafür zahlt? Selbst unter Hochrisikopatienten wird wahrscheinlich nur ein Bruchteil psychotisch werden. Die Rate der falsch-positiven Befunde dürfte also erheblich sein. „Auf jeden jungen Patienten, der richtig diagnostiziert wurde, kommen zwischen drei und neun Menschen, die fälschlicherweise zu Kranken gemacht werden“, schätzt Frances.

Der Psychologe weiß aus eigener Erfahrung, was schon kleine Veränderungen der Klassifikation bewirken. „Durch unsere Arbeit für DSM-4 haben wir Epidemien wie das Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Syndrom ADHS erschaffen.“ Frances und seine Kollegen entschieden sich damals, die Kriterien für diese Krankheit auszuweiten, damit nun alle Betroffenen diagnostiziert werden könnten. „Wissenschaftler wollen, dass jeder eine Behandlung bekommt“, sagt Frances. „Sie sorgen sich aber nicht um die, die fälschlicherweise als krank diagnostiziert werden und Behandlungen bekommen, die sie nicht brauchen.“ Und so stieg die Zahl der Kinder mit der Zappelphilipp-Diagnose in den Jahren darauf sintflutartig an, weit über die zuvor berechneten Fallzahlen der Experten. Erst kürzlich kamen zwei Studien zu dem Schluss, dass in den USA etwa eine Million Kinder fälschlicherweise mit ADHS diagnostiziert wurden. Bei ihrer Einschulung waren sie etwas jünger und damit auch lebhafter als ihre Klassenkameraden.

Es stellt sich zunehmend die Frage, wie emotional man sein darf, bevor man durch das Netz der Normalität fällt? Ist es bedenklich, wenn man nach einem Verlust ausgiebig trauert? Stirbt der Mann, das eigene Kind oder auch der beste Freund, kann das einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Vielleicht schläft man auch schlecht oder mag nicht essen. All das sind häufige Reaktionen auf den Tod eines geliebten Menschen. Aus diesem Grund schließt die aktuelle Ausgabe des DSM diese Menschen von der Diagnose einer Depression auch aus, zumindest sofern ihre Symptome nicht länger als zwei Monate andauern. Diese Hürde soll nun wegfallen. „Zwei Wochen der Traurigkeit, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und Appetitlosigkeit, reichen nun aus, um mit dem Stempel einer Depression nach Hause zu gehen, und zwar unabhängig von der persönlichen Situation“, kritisiert Frances. Welches Gefühl wird da Menschen vermittelt, die mit ihrem Verlust zu kämpfen haben?

Auch mit anderen neuen Syndromen laufen die Wissenschaftler Gefahr, die Grenzen zur Krankheit aufzuweichen. Die Diagnose „Minor Neurocognitive Disorder“ etwa könnte auch Menschen einschließen, die nicht mehr als die ganz normalen Gedächtnisprobleme des Alters zeigen und die „Mixed Anxiety Depression“ ist laut Frances nur schwer von den emotionalen Tiefen und Sorgen zu unterscheiden, die jeder einmal erlebt.

Eines ist klar: Es gibt Menschen, die zerbrechen an sich selbst, an schrecklichen Erlebnissen, die werden von einem Wahn heimgesucht oder einer irrationalen Angst, die sie kaputt macht. Psychische Leiden sind real und Betroffene brauchen Hilfe. Doch Menschen, die in einer Lebenskrise stecken, trauern oder impulsiver sind, müssen davor bewahrt werden, als krank zu gelten.

Bei den diversen Störungen werden Psychopharmaka dann wie im Schrotschussverfahren eingesetzt, „vergleichbar mit den Anfängen der Chemotherapie“, sagt der Psychiater Asmus Finzen. „Wir wissen noch zu wenig über die Ursachen von psychischen Störungen, um individuelle Medikamente entwickeln zu können.“ Und so gibt es bislang nur wenige Wirkstoffgruppen wie Antidepressiva, Neuroleptika oder Tranquilizer, die bei vielen verschiedenen psychischen Problemen eingesetzt werden. Dass sie den Patienten auch helfen, sei in einigen Fällen jedoch nur ein Wunsch, sagt Finzen. Zudem sind viele der Medikamente alles andere als harmlos.

In Feldstudien sollen nun die Zuverlässigkeit, Anwendbarkeit und der klinische Nutzen der Neuerungen überprüft und so verhindert werden, „dass falsch-positive Diagnosen entstehen“, sagt Gaebel. Jane Costello war das zu wenig. Die Psychologin verließ das DSM-Team für Störungen im Kinder- und Jugendalter, weil sie die wissenschaftliche Grundlage für Entscheidungen vermisste.

Spätestens 2013 soll der Bestseller veröffentlicht werden. Seine Bedeutung ist kaum zu überschätzen. In vielen Ländern ist das Handbuch so machtvoll, dass es als Grundlage von Sorgerechtsentscheidungen dient oder hilft, jemanden für schuldunfähig zu erklären. In deutschen Arztpraxen hat zwar die ICD-Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation Vorrang. Doch auch für sie ist eine Neuauflage geplant, die sich am DSM-5 orientieren wird. So wird es nicht lange dauern, bis die neuen Diagnosen überall angekommen sein werden.



23 Kommentare

Warum nicht?
„Wir kommen an den Punkt, wo es kaum noch möglich ist, ohne eine geistige Störung durchs Leben zu kommen oder zwei oder eine Handvoll“, sagt Allan Frances, Schirmherr der Vorgänger Ausgabe DSM-4 und einer der größten Kritiker von DSM-5.

Klingt wie eine Kritik an der Vorstellung, dass vielleicht fast jeder Mensch laut DSM-5 nicht sein ganzes Leben lang vollkommen geistig gesund ist.
Das entspräche aber immerhin körperlichen Krankheiten. Welcher Mensch war noch niemals krank, nicht einmal ein Schnupfen oder eine Kinderkrankheit? Das ist doch eher die Ausnahme.
antworten
Antwort auf MarioUrban vom 13.05.2011 14:59 Uhr
Warum nicht?
Weil die Frage "was ist normal?" beinhaltet, eine Norm überhaupt erst zu definieren. Wenn sich verhalten in einem Spektrum von 0-100 abspielt, wo setze ich den Normkorridor? Bei 80 % der Menschen? bei 50 % der Menschen?

Wenn es "normal" sein soll, dass alle Menschen im Laufe des Lebens an einer psychischen Störung erkranken, ist der Begriff des "normalen" mit Sicherheit nicht mehr bestimmt. Das bedeutet nämlich, dass dann plötzlich alle nicht mehr normal sind, was den Begriff der Normalität ad absurdum führt.

Warum nicht?
Weil mit dieser Definition des "Unnormalen" eigentlich normale Episoden eines Lebens erst zur Krankheit gemacht werden und die Gefahr besteht, dass durch die - möglicherweise sogar gut gemeinte - Behandlung überhaupt erst ein langfristiges Problem wird.

Warum nicht?
Weil psychische Krankheiten in unserer Gesellschaft immer noch mit einem hohen Stigma versehen sind. Außerhalb des Systems "Psychologie", aber auch innerhalb. Außerhalb bedeutet das, dass der vielleicht nur sporadisch etwas aus dem Tritt Geratene plötzlich Reaktionen ausgeliefert ist, die ihn zusätzlich belasten und ausgrenzen. Innerhalb des Systems bedeutet das, dass, wer ein Mal ein solches Label hat, dieses nicht so leicht mehr los wird. Das klebt wie Kaugummi unter dem Schuh. Und ganz plötzlich ist ein Mal krank immer krank oder zumindest immer hoch anfällig. Diese Menschen kommen dann möglicherweise nie "in die Normalität" zurück. Aber nicht, weil es erforderlich ist, sondern weil man sie nicht lässt: Die Gesellschaft will sie nicht draußen, dass System will sie nicht gehen lassen.

Was das Stigma Depression bspw. bedeuten kann, haben wir alle medial erleben dürfen. Wenn jetzt jeder nach 2 Wochen Trauer derart pathologisiert wird, führt das möglicherweise dazu, dass Trauer versteckt und nicht verarbeitet wird. So produziert man dann echte Krankheiten!
antworten
Antwort auf Brotkrume vom 14.05.2011 08:57 Uhr
Voll normal?
Ich habe doch gar nichts von "Normalität" gesagt. Was hat der Begriff "Krankheit" mit Normalität zu tun? Mein Beitrag zielt doch gerade darauf ab, dass es völlig normal ist, ab und zu (zumindest körperlich) krank zu sein. Ein Mensch, der zu 100% seiner Lebenszeit gesund ist, ist nicht der Normalfall. Warum soll man psychische Krankheiten derart krass definieren, dass die Mehrzahl der Menschen niemals in ihrem ganzen Leben nur die kleinste psychische Krankheit haben?

"Weil mit dieser Definition des "Unnormalen" eigentlich normale Episoden eines Lebens erst zur Krankheit gemacht werden "

Ganz im Gegenteil! Wenn man psychische Krankheiten strikter klassifiziert, werden leichtere psychische Krankheiten zur NORMALITÄT erhoben und nicht anders herum. Wenn psychische Krankheiten dagegen etwas wären, dass nur ein paar "Verrückte" betrifft, ist ein Stigma nachvollziehbar. Je mehr Leute betroffen sind, desto schwerer fällt doch die Stigmatisierung.
antworten
Diese Ausweitungen
der Krankheitsdefinition sind nur konsequent, denn im Unterschied zu körperlichen Krankheiten waren psychische Krankheiten noch nie durch köperliche Befunde gestützt, sondern waren schon immer reine Erfindung. Die Eltern, deren Kind nun durch Psychopharmaka sein Leben zerstört bekommt, sind selbst schuld, denn sie sind wie die meisten Menschen psychiatriegläubig. Ich weiß, weshalb ich Ärzte und besonders Psychiater immer belügen werde.
antworten
Antwort auf tkurbjuhn vom 13.05.2011 16:28 Uhr
Was für ein unglaublicher Unsinn!
„Im Unterschied zu körperlichen Krankheiten waren psychische Krankheiten noch nie durch körperliche Befunde gestützt.“ Ach was. Ist ja interessant. Weshalb werden wohl psychische und physische Krankheiten unterschieden? Aber egal: Die Behauptung ist ohnehin falsch. „Die meisten Menschen sind psychiatriegläubig.“ So, so. Wie kommen Sie darauf? „Ich weiß, weshalb ich Ärzte und besonders Psychiater immer belügen werde.“ Das ist wirklich sehr sinnvoll, Ärzte immer zu belügen, insbesondere bei einem Beinbruch, einer Lebensmittelvergiftung und einer Blinddarmentzündung.

Misstrauen gegenüber Ärzten, insbesondere gegenüber Psychiatern, ist tatsächlich angebracht, aber doch nur in rationalen Bahnen und nicht mit einer solchen Generaldiffamierung.
antworten
Antwort auf tkurbjuhn vom 13.05.2011 16:28 Uhr
???

Ich weiß, weshalb ich Ärzte und besonders Psychiater immer belügen werde.



Ja? Warum? Würden sie, wenn sie sich das rechte Bein brechen, dem Arzt sagen, es wäre das Linke? Welchen Sinn hat es einen Arzt zu belügen?
antworten
Antwort auf Franko vom 14.05.2011 10:13 Uhr
Bei traditionellen Unfallkrankheiten
ist die Schulmedizin in ihrem Element. Man muß nur sehen, daß man nicht zusätzlich zur Normalbehandlung durch das System in Beschlag genommen wird , Stichwort " Gesundheitscheck". Denn hierdurch entstehen erst Krankheiten, z.B. tödliche Infektion durch Krankenhausaufenthalte. Deshalb sagt man dem Arzt, der der gebrochenen Arm schient, daß man , wenn man mehr Zeit hat, sich zum Gesundheitscheck melden wird. Und man meldet sich natürlich nie wieder,geht beim nächsten Unfall zu einem anderen Arzt. Oder lehnt, solange man das im Bereich der somatischen Medizin noch darf, raundheraus ab. Wenn es einem seelisch schlecht geht, ist man gut beraten, sich selbst zu helfen und den eigenen Zustand zu verschweigen. Denn gutmeinende Bekannte werden einem gern zu psychologisch/ psychiatrischer Hilfe raten. Oder sie gleich für einen organisieren. Und dann ist das Ende da. In der psychiatrischen Klinik wird jeder zwangsmediziniert, eine Ablehnung der Zwangmedikation gilt als Bestätigung der Krankheit. Es folgt: Verlust des Arbeitsplatzes, Dauerbetreuung durch Gesundheitsämter, denn durch die Dauergabe von Neuroleptika hat man nicht die Kraft, sich der psychiatrischen Unterdrückung zu entziehen.
antworten
Antwort auf tkurbjuhn vom 14.05.2011 11:38 Uhr
@tkurbjuhn

In der psychiatrischen Klinik wird jeder zwangsmediziniert, eine Ablehnung der Zwangmedikation gilt als Bestätigung der Krankheit.



Hm, ich weiss nicht was sie so für Erfahrungen gemacht haben, aber in deutschen Psychiatrien wird kaum jemand zwangsmedikamentiert. Dazu sind hohe rechtliche Hürden zu nehmen an die sich Ärzte zu halten haben.
Die meisten Ärzte wollen auch tatsächlich helfen und nicht Patienten für "das System" vereinnnahmen. Ein bisschen Vertrauen müssen sie ihnen natürlich entgegenbringen.
antworten
Antwort auf Franko vom 14.05.2011 14:39 Uhr
Die Ärzte und Psychologen in
psychiatrischen Kliniken suchen Anerkennung und Geld. Beides bekommen sie dadurch, daß sie möglichst viele dauerhaft zu behandelnde Problemfälle konstruieren. Durch die Kooperation mit den niedergelassenen Psychiatern fällt dann nicht so auf, daß ein einmal als psychisch Krank definierter Mensch kaum einmal die Chance auf Gesundung und damit auf ein freies Leben hat. In deutschen Psychiatrien wird jeder zwangsmediziniert, jeder Neuankömmling wird unter Druck gesetzt, Neuroleptika zu nehmen. Der clever-verlogene Patient, wenn er denn in diese Mühle gerät-spielt das Spiel zuerst mal mit, nimmt die Medizin, "öffnet" sich zum Schein seinen Psychiatern und regt dann an, die Medizin abzusetzen. Das ist der einzige Weg, dem System mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu entkommen. Wer sich von Anfang an der Medizingabe verweigert, wird dagegen eine schwere Paranioa attestiert bekommen. Und mit dieser Diagnose, weil fremd-und selbstgefährdend, sehr lange dort bleiben. Ich selbst, gerade weil ich die Psychiatrie und das faschistoide Personal dort kenne, fühle mich nicht von der Psychiatrie bedroht, weil ich ihr mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit entkommen würde.Es sind die Frankos, die in ihr scheitern.
antworten
Antwort auf tkurbjuhn vom 14.05.2011 16:01 Uhr
realitätsfern
was Sie da schreiben, ist kompletter Quatsch. Sie glauben vielleicht, Sie könnten den Leuten hier was von der ach-so-bösen Psychiatrie erzählen, und keiner kann Ihnen das widerlegen.

Da haben Sie sich aber geirrt, denn auch ich habe damit schon Erfahrungen gesammelt. Und ich kann Ihnen sagen, dass niemand Sie gegen Ihren Willen dort behalten wird, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist. Im Gegenteil, das Personal dort sieht einen lieber gehen als kommen, weil die Betten dort chronisch knapp sind. Das geht teilweise so weit, dass man selbst dann keine Hilfe bekommen kann, wenn man sie eigentlich bräuchte, aber das ist ein anderes Problem.

Und ich kenne auch einige Personen, die gegen Ihren Willen dort behalten wurden, und ich kann Ihnen sagen, dass das in diesen Fällen durchaus angebracht war.

Dass man einer Psychiatrischen Behandlung "entkommen" muss, ist in meinen Augen kompletter Humbug. Vielleicht sollten Sie mal bei Scientology anfragen, ich habe gehört, die Stehen mit der Psychiatrie auch auf Kriegsfuß...
antworten
Antwort auf tkurbjuhn vom 14.05.2011 16:01 Uhr
also

Es sind die Frankos, die in ihr scheitern.



, zumindest dieser Franko, war mal über zehn Jahre selbst Teil des "faschistoiden Personals" einer Psychiatrie und ich kann ihren Darstellungen und Befürchtungen nur widersprechen. Sicher ist das Personal gestresst, überarbeitet und bedeutend unterbezahlt und die Kliniken sind schlecht ausgestattet, aber man (frau) gibt sich für gewöhnlich alle Mühe.
antworten
Antwort auf Franko vom 14.05.2011 17:11 Uhr
Daß Bedienstete
der Psychiatrie ihren Beruf hier schönreden, verwundert nicht. Ehemalige Zwangspatienten sind entweder Kritiker wie ich oder abgespritzte Menschen mit starken Degenerationserscheinungen, die keinen eigenen Willen mehr haben und deshalb leider hier auch nicht mitdiskutieren können.
antworten
Antwort auf tkurbjuhn vom 14.05.2011 17:35 Uhr
in einer bekannten
linken Tageszeitung erscheint übrigens wortgleich ebenfalls dieser Artikel. Die dortigen Diskutanten scheinen übrigens vermehrt meiner Ansicht zu sein.
antworten
von einem Wahn heimgesucht

Es gibt Menschen, die werden von einem Wahn heimgesucht oder einer irrationalen Angst, die sie kaputt macht.


Man nennt das oft auch Religion. Ob wohl deren Behandlungsnotwendigkeit auch in die DSM 5 mit aufgenommen wurde?
antworten
Antwort auf mino43 vom 14.05.2011 10:25 Uhr
Hoffentlich
Es wäre höchste Zeit....
antworten
Nicht klar?
Die Intention dieser Neuauflage ist doch klar.
Nicht nur die Gurken müssen gerade wachsen, sonst werden sie vernichtet. So müssen auch die Menschen in klar festgelegte Schubfächer passen. Will jemand nicht in solch ein Normschubfach, werden Menschen unbequem, opponieren sie, können sie nach der Neuauflage DSM schneller medikamentös gefügig gemacht werden.

Es ist erschreckend zu lesen, wie schon das Leben von Kinder prophylaktisch mit Psychopharmaka in eine Richtung gepresst werden soll. Kinder brauchen starke Eltern, die das verhindern. Überaktive Kinder sind häufig falsch ernährt und haben zu wenig Bewegung. Die ursachen sind alle bekannt. Kinder mit Psychopharmaka zu behandeln ist für mich Folter.

Bald traut man keinem Arzt mehr. Es gibt sie, denen es einzig um das Wohl der Patienten geht, aber wie sind sie zu erkennen?.
Für mich ist ein guter Arzt einer, der kein Rezept schreibt, sondern mir Alternativen aufzeigt.
antworten
Antwort auf Fu-Rei vom 15.05.2011 07:35 Uhr
Glueckwunsch
Hier hat einer mal den Durchblick, wie unser Sstem funktioniert. Krankheiten neu erfinden, Kassenbeitraege hoch, unverkennbarer Einfluss der Pharmalobby.
antworten
Einfache Antwort

Was ist schon normal?


Ein Vorort von Bloomington, Indiana.
antworten
Antwort auf Diabolo vom 15.05.2011 20:00 Uhr
Was ist normal?
Alles was innerhalb der Norm liegt. Die Grenzen der Norm legt die Gesellschaft fest.
Sind alle krank und einer gesund, ist der Gesunde nicht normal und muss therapiert werden, damit er in die Norm passt.
antworten
Antwort auf Diabolo vom 15.05.2011 20:00 Uhr
Falsches Bloomington !
Ich muß mich leider korrigieren : Normal ist der Vorort der Stadt Bloomington in Illinois, nicht der Stadt Bloomington Indiana.

Die Wiki Seite zu Normal ist leider recht dürftig, aber besser als nichts ...
antworten
"Psychische Krankheiten" gibt es nicht
@ wilhelm:
"„Im Unterschied zu körperlichen Krankheiten waren psychische Krankheiten noch nie durch körperliche Befunde gestützt.“ Ach was. Ist ja interessant. Weshalb werden wohl psychische und physische Krankheiten unterschieden? Aber egal: Die Behauptung ist ohnehin falsch."

Nein ist sie nicht.
Nennen Sie mir ein psychiatrisches "Krankenhaus", in dem in der Aufnahme erst mal ein körperlicher "Befund" ermittelt wird.
Oder irgendwelche Neurotransmitter-Haushalte bestimmt werden.
Es gibt keines!
Die "körperlichen Befunde" wurden bei über lange Zeit mißhandelten und zwangsdrogisierten "Patienten" ermittelt und so ein Zusammenhang "gebastelt".


"„Die meisten Menschen sind psychiatriegläubig.“ So, so. Wie kommen Sie darauf?"

Zum Beispiel in dem man ihre Verteidigung der Psychiatrie gegen einen ihrer Kritiker betrachtet.
antworten
Antwort auf Bumm vom 16.05.2011 02:13 Uhr
Ja, BUMM!
Psychische Krankheiten in Gänsefüßchen gibt es, z. B. Hypochondrie und Simulation, und solche ohne gibt es auch.

Sie haben sich offenkundig mit dem Thema äußerst ernsthaft beschäftigt. Nur ist Ihnen leider entgangen, dass Psychiatriepatienten in der Regel von niedergelassenen Ärzten eingewiesen werden.

Die meisten Menschen sind psychiatriegläubig, weil auf Kritik Gegenkritik folgt? Also weil Argumente ausgetauscht werden? Eine herrliche Logik! BUMM! Und gar die „meisten“ Menschen! Woher wissen Sie das? Wie viele haben Sie denn befragt?
antworten
Psychische Erkrankungen
sind immer auch physische, denn die Psyche ist eine Funktion des Gehirns, genau so, wie die Verdauung Funktion von Magen und Darm ist. In manchen Fällen kann die Heilung des Verdauungstraktes schon durch Umstellung der Ernährung erreicht werden, in anderen durch die Beseitigung von Stressfaktoren oder durch die Einnahme von Medikamenten, und manche erfordern chirurgische Eingriffe. Analoges gilt für die Möglichkeiten der Psychologie resp. Psychiatrie. Nur ist die Medizin in dieser Disziplin noch nicht so weit fortgeschritten wie in anderen.


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    Frank Costello (22) aus washington d.c. / us schrieb am 15.05.2011 Eintrag Nr. 40    
Krankheitsbegriff wird erweitert
Psychiatrie für alle

13.05.2011

http://taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/psychiatrie-fuer-alle/


Kommentar geschrieben am 16.05.2011 um 21:17:52
15.05.2011 22:49 Uhr:
von matthias schaffrath:

DSM und ICD sind ganz praktisch als Klassifizierungsinstrumente in einem Bereich, in dem man sich im Ungefähren und Spontanen bewegt, und daher immer Probleme haben wird, das störende oder gestörte Individuum einzuordnen. Kritisch ist anzumerken, daß viele der Fachleute der APA gute Beziehungen zur Pharmabranche pflegen, das gilt im übrigen auch für deutsche Psychiater, siehe etwa Prof. Benkert. Herr Dr. Gaebel ist ein besonders interessantes Exemplar; seit Jahren ist er dabei zur akuten Krankheitsphase eine von ihm sog. Prodromal-Phase hinzuzufügen, um sozusagen präventiv auch Zehnjährige, die keine manifeste Symptomatik aufweisen, schon behandeln, d.h. medikamentieren zu können. Die Kollegen in der Industrie werden sicherlich dankbar sein. Das Prodromal-Konzept ist mehr als zweifelhaft, es scheint darum zu gehen, das Patientengut (sic!) zu vermehren. Daß da ein ärtzliches Ethos am Werk ist, ist zu bezweifeln, eher scheint es eine Kombination von Borniertheit und Scheinwissenschaftlichkeit gepaart mit einem gesunden Allmachtstreben und Profitmaximierungsabsichten zu sein. Die Psychiater leiden seit langem unter ihrem Underdog-Status in der Medizin. Zu recht. Was sie da betreiben ist eben keine Wissenschaft. Im besten Fall ist es Herumdoktern, im schlimmsten Körperverletzung, oft gepaart mit Freiheitsentzug und der dauerhaften Vernichtung von Lebenschancen. Ein Blick in den hippokratische Eidesformel genügt: diese Leute vom Typ Gaebel und Benkert sin einfach nur mit Macht ausgestattete Scharlatane.

M.S.
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    Schlingensief (55) aus oberhausen / de schrieb am 11.03.2011 Eintrag Nr. 39    
* 10.03.2011

Arbeitlos und ausgegrenzt
"Werdet hysterisch!"

Immer öfter müssen sich Psychologen und Psychotherapeuten mit Langzeitarbeitslosen, Minijobbern und Scheinselbstständigen beschäftigen. VON DAGMAR SCHEDIWY



BERLIN taz | Arbeitsplatzunsicherheit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind Themen, die bislang vor allem in soziologischen Zeitdiagnosen Eingang fanden. Immer weniger machen die Folgen von Prekarisierungsprozessen aber auch vor den Praxen von Psychologinnen und Psychotherapeuten halt.

So zählt die Berliner Psychoanalytikerin Almut Bruder-Bezzel Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen ebenso wie Langzeitarbeitslose, Minijobber, Scheinselbstständige oder solche, die von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten wandern, zu ihren Kunden.

Viele von ihnen sind gut ausgebildet; haben zum Beispiel ein oder mehrere Studien abgeschlossen und finden sich doch bestenfalls in Beschäftigungen wieder, die gar nicht oder nur minimal ihren Qualifikationen entsprechen. AkademikerInnen, die putzen, Taxi fahren oder sich als Call-Center-Agents verdingen, sind keine Seltenheit.

Solche Entwicklungen, die sich auch in langen Wartelisten auf einen Therapieplatz niederschlagen, wurden von der therapeutischen Zunft bislang kaum thematisiert. Demgegenüber betont die Neue Gesellschaft für Psychologie die politische Verantwortung von akademisch und praktisch arbeitenden Psychologen.

Sie stünden in Gefahr, "von der zunehmenden gesellschaftlichen Unsicherheit zwar zu profitieren, aber darüber ihre Verantwortung für ihre Klienten aus den Augen zu verlieren", mahnten die OrganisatorInnen des Kongresses "Macht - Kontrolle - Evidenz", der Anfang März zu diesem Thema an der Freien Universität Berlin stattfand.

Dass das in der Praxis nicht ganz einfach ist, hat die Psychoanalytikerin Bruder-Bezzel zur Genüge erlebt. Sie ist in ihrer Arbeit nämlich nicht nur mit den aus prekären Lebensverhältnissen resultierenden individuellen Pathologien ihrer PatientInnen, sondern auch mit konkreten gesellschaftlichen Ausgrenzungsdiskursen konfrontiert.

Sozialer Krieg

Das mediale Trommelfeuer gegen "Sozialschmarotzer", das nach Auffassung des Politologen Michael Wolf immer mehr die Form eines sozialen Kriegs gegen die zum innerstaatlichen Feind erklärten Arbeitslosen annimmt, lässt ihre KlientInnen nicht unberührt.

Armut und Arbeitslosigkeit werden von ihnen als ein persönliches Problem verstanden, das mit Schuld, Scham und Schande verbunden ist. Selbst in der Therapie sprechen sie das damit verbundene Leiden nach Bruder-Bezzels Erfahrungen von sich aus nicht an.

Dabei kann sich die Analyse dann leicht zu einem Verdrängungsmanöver entwickeln: Während Kindheitserfahrungen einen breiten Raum einnehmen, bleiben aktuelle Traumatisierungen durch Arbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse weitgehend ausgespart. Dies hängt auch mit der Fokussierung der Psychoanalyse auf die Kindheit zusammen.

Häufig wird dabei übersehen, dass psychische Konflikte im Zusammenhang mit der Berufssituation stehen oder durch diese verstärkt werden können. So gerät, wie Bruder-Bezzel moniert, die Welt in der Therapie allzu oft zur Familie und die Arbeit zum Sandkastenspiel, in dem der Arbeitgeber zum besorgten oder garstigen Familienvater mutiert.

Sprachlos leiden

Prekarisierungserfahrungen werden jedoch auch in anderen Lebensbereichen verdrängt. Für Thomas Goes von der Universität Jena stellen sie Formen des Arbeitsleids dar, die bislang nicht angemessen artikuliert werden können.

Nach Ansicht des Prekarisierungsforschers wirken sie sozial disziplinierend: Während die noch in den Arbeitsmarkt Integrierten gegen das Abrutschen in die Zone der unsicheren Beschäftigung kämpfen, versuchen Leiharbeiter und Beschäftigte ohne festen Arbeitsvertrag um jeden Preis in den Arbeitsmarkt zu gelangen. Daraus resultiert eine gegenseitige Konkurrenz und eine abnehmende Solidarität zwischen den prekär und regulär Beschäftigten.

Beide Gruppen haben dabei die bereits dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt Ausgeschiedenen als abschreckendes Beispiel im Blick.

Dies wirkt sich auf die Deutungsmuster aus, die unsicher Beschäftigte zur Erklärung ihres subalternen Status vornehmen: In Goes Untersuchung zählten sich selbst schwer körperlich arbeitende Leiharbeiter mit einem Nettoeinkommen zwischen 800 und 1.200 Euro zur Mittelschicht. Daraus lässt sich vielleicht auch die geringe Bereitschaft zu gemeinsamem Handeln ableiten.

Zwar waren die Befragten durchaus mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden, sahen aber nicht, dass es dazu irgendeine Alternative gibt. Selbst bei der Frage, wie kleine alltägliche Verbesserungen wie zum Beispiel eine Verlängerung der Pausenzeiten zu erreichen wären, herrschte bei den Betroffenen tiefe Ratlosigkeit.

Damit unterscheiden sie sich nicht wesentlich von anderen gesellschaftlichen Gruppen, die zwar auch unter den ökonomischen Umstrukturierungen leiden, denen man gemeinhin aber eine größere Handlungsfähigkeit zuspricht.

"Innere und äußere Entgrenzung"

Auch Studienabsolventen und hoch qualifizierte junge Arbeitnehmer werden nach Beobachtungen des Hannoveraner Psychologen Markus Brunner von Existenz- und Zukunftsängsten gequält. Nicht nur beim Eintritt ins Berufsleben sind sie permanenten Evaluierungs- und Selbstevaluierungsprozessen ausgesetzt, hinter denen stets die Drohung des Ausschlusses verborgen ist.

Dabei erleben sie "eine innere und äußere Entgrenzung". Wo, wie in der "schönen neuen Arbeitswelt" feste Vorgaben fehlen, muss die Person all ihre Kraft auf die individuelle Selbstoptimierung konzentrieren. Häufig lauert dabei die Angst vor dem Versagen im Hintergrund.

Falls die oder der Einzelne den Erfolgsdruck nicht mehr aushält und zusammenbricht, ist sie nicht selten mit Therapien konfrontiert, die wie der Sozialpsychiater Christoph Bialluch kritisiert, "eine Depression einer Diabetes im Sinne einer Stoffwechselstörung gleichstellen".

Wo psychische Symptome mit naturwissenschaftlichen Modellen erklärt werden, glaubt man, sie mittels Psychopharmaka kurieren zu können. Dabei, so Bialluch, werde aber ausgeklammert, dass psychisches Leiden auch die Entfremdung des Menschen von sich selbst anzeigt. Unter Umständen kann eine psychische Störung eine durchaus sinnvolle Reaktion auf eine krank machende Umwelt sein.

Bialluch empfiehlt deshalb gegen die diagnostische "Einpferchung" psychischen Leidens wie auch die Zumutungen der modernen Arbeitswelt eine Strategie der Subversion: "Werdet hysterisch!" lautet seine Maxime, was für ihn im Zweifelsfall "Mehr Christoph Schlingensief und weniger Robert Enke" heißt.
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    faxo faxo (18) aus halifax / canada schrieb am 05.03.2011 Eintrag Nr. 38    
Top Ten Legal Drugs Linked to Violence
By Maia Szalavitz Friday, January 7, 2011
http://healthland.time.com/2011/01/07/top-ten-legal-drugs-linked-to-violence/

A new study from the Institute for Safe Medication Practices published in the journal PloS One and based on data from the FDA's Adverse Event Reporting System has identified 31 drugs that are disproportionately linked with reports of violent behavior towards others. (More on Time.com: New Hope For An Anti-Cocaine Vaccine)

Please note that this does not necessarily mean that these drugs cause violent behavior. For example, in the case of opioid pain medications like Oxycontin, people with a prior history of violent behavior may seek drugs in order to sustain an addiction, which they support via predatory crime. In the case of antipsychotics, the drugs may be given in an attempt to reduce violence by people suffering from schizophrenia and other psychotic disorders — so the drugs here might not be causing violence, but could be linked with it because they're used to try to stop it.

Nonetheless, when one particular drug in a class of nonaddictive drugs used to treat the same problem stands out, that suggests caution: unless the drug is being used to treat radically different groups of people, that drug may actually be the problem. Researchers calculated a ratio of risk for each drug compared to the others in the database, adjusting for various relevant factors that could create misleading comparisons. Here are the top ten offenders:

10. Desvenlafaxine (Pristiq) An antidepressant which affects both serotonin and noradrenaline, this drug is 7.9 times more likely to be associated with violence than other drugs.

9. Venlafaxine (Effexor) A drug related to Pristiq in the same class of antidepressants, both are also used to treat anxiety disorders. Effexor is 8.3 times more likely than other drugs to be related to violent behavior. (More on Time.com: Adderall May Not Make You Smarter, But It Makes You Think You Are)

8. Fluvoxamine (Luvox) An antidepressant that affects serotonin (SSRI), Luvox is 8.4 times more likely than other medications to be linked with violence

7. Triazolam (Halcion) A benzodiazepine which can be addictive, used to treat insomnia. Halcion is 8.7 times more likely to be linked with violence than other drugs, according to the study.

6) Atomoxetine (Strattera) Used to treat attention-deficit hyperactivity disorder (ADHD), Strattera affects the neurotransmitter noradrenaline and is 9 times more likely to be linked with violence compared to the average medication.

5) Mefoquine (Lariam) A treatment for malaria, Lariam has long been linked with reports of bizarre behavior. It is 9.5 times more likely to be linked with violence than other drugs.

4) Amphetamines: (Various) Amphetamines are used to treat ADHD and affect the brain's dopamine and noradrenaline systems. They are 9.6 times more likely to be linked to violence, compared to other drugs.

3) Paroxetine (Paxil) An SSRI antidepressant, Paxil is also linked with more severe withdrawal symptoms and a greater risk of birth defects compared to other medications in that class. It is 10.3 times more likely to be linked with violence compared to other drugs. (More on Time.com: Healthland's Guide to Life 2011)

2) Fluoxetine (Prozac) The first well-known SSRI antidepressant, Prozac is 10.9 times more likely to be linked with violence in comparison with other medications.

1) Varenicline (Chantix) The anti-smoking medication Chantix affects the nicotinic acetylcholine receptor, which helps reduce craving for smoking. Unfortunately, it's 18 times more likely to be linked with violence compared to other drugs — by comparison, that number for Xyban is 3.9 and just 1.9 for nicotine replacement. Because Chantix is slightly superior in terms of quit rates in comparison to other drugs, it shouldn't necessarily be ruled out as an option for those trying to quit, however.
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    Ewen Callaway (22) aus New Hampshire / US of A schrieb am 18.07.2010 Eintrag Nr. 37    
Artistic tendencies linked to 'schizophrenia gene'

* 15:58 16 July 2009 by Ewen Callaway
* For similar stories, visit the Mental Health , The Human Brain and Genetics Topic Guides

We're all familiar with the stereotype of the tortured artist. Salvador Dali's various disorders and Sylvia Plath's depression spring to mind. Now new research seems to show why: a genetic mutation linked to psychosis and schizophrenia also influences creativity.

The finding could help to explain why mutations that increase a person's risk of developing mental illnesses such as schizophrenia and bipolar syndrome have been preserved, even preferred, during human evolution, says Szabolcs Kéri, a researcher at Semmelweis University in Budapest, Hungary, who carried out the study.

Kéri examined a gene involved in brain development called neuregulin 1, which previous studies have linked to a slightly increased risk of schizophrenia. Moreover, a single DNA letter mutation that affects how much of the neuregulin 1 protein is made in the brain has been linked to psychosis, poor memory and sensitivity to criticism.

About 50 per cent of healthy Europeans have one copy of this mutation, while 15 per cent possess two copies.
Creative thinking

To determine how these variations affect creativity, Kéri genotyped 200 adults who responded to adverts seeking creative and accomplished volunteers. He also gave the volunteers two tests of creative thinking, and devised an objective score of their creative achievements, such as filing a patent or writing a book.

People with two copies of the neuregulin 1 mutation – about 12 per cent of the study participants – tended to score notably higher on these measures of creativity, compared with other volunteers with one or no copy of the mutation. Those with one copy were also judged to be more creative, on average, than volunteers without the mutation. All told, the mutation explained between 3 and 8 per cent of the differences in creativity, Kéri says.

Exactly how neuregulin 1 affects creativity isn't clear. Volunteers with two copies of the mutation were no more likely than others to possess so-called schizotypal traits, such as paranoia, odd speech patterns and inappropriate emotions. This would suggest that the mutation's connection to mental illness does not entirely explain its link to creativity, Kéri says.
Dampening the brain

Rather, Kéri speculates that the mutation dampens a brain region that reins in mood and behaviour, called the prefrontal cortex. This change could unleash creative potential in some people and psychotic delusions in others.

Intelligence could be one factor that determines whether the neuregulin 1 mutation boosts creativity or contributes to psychosis. Kéri's volunteers tended to be smarter than average. In contrast, another study of families with a history of schizophrenia found that the same mutation was associated with lower intelligence and psychotic symptoms.

"My clinical experience is that high-IQ people with psychosis have more intellectual capacity to deal with psychotic experiences," Kéri says. "It's not enough to experience those feelings, you have to communicate them."
Intelligence's influence

Jeremy Hall, a geneticist at the University of Edinburgh in the UK who uncovered the link between the neuregulin 1 mutation and psychosis, agrees that the gene's effects are probably influenced by cognitive factors such as intelligence.

This doesn't mean that psychosis and creativity are the same, though. "There's always been this slightly romantic idea that madness and genius are the flipside to the same coin. How much is that true? Madness is often madness and doesn't have as much genetic association with intelligence," Hall says.

Bernard Crespi, a behavioural geneticist at Simon Fraser University in Burnaby, British Columbia, Canada, is holding his applause for now. "This is a very interesting study with remarkably strong results, though it must be replicated in an independent population before the results can be accepted with confidence," he says.

Journal reference: Psychological Science (DOI: 10.1111/j.1467-9280.2009.02398.x)
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    geoge orwell (39) aus sheffield / uk schrieb am 23.06.2010 Eintrag Nr. 36    
17.11.2009

Urteil
Psychiater stoppte Steuerfahnder mit dubiosen Gutachten

Von Matthias Bartsch

Das Verwaltungsgericht Gießen hat einen Psychiater wegen unzureichender Gutachten verurteilt. Der Mann hatte Steuerfahndern eine "paranoid querulatorische Entwicklung" unterstellt. Die Ermittler gehörten zu einer Sondereinheit, durch deren Arbeit Tausende Betrugsverfahren eingeleitet wurden.

Hamburg - Für die vier Männer ist dieser Gerichtsbeschluss eine späte Genugtuung: Die Steuerfahnder waren vom Land Hessen mit Hilfe fragwürdiger psychiatrischer Gutachten in den Ruhestand geschickt worden. Jetzt hat das Verwaltungsgericht Gießen ihnen jetzt offiziell bescheinigt, dass die Gutachten "nicht entsprechend den fachlichen Anforderungen" erstellt worden waren. Der Gutachter wurde in erster Instanz zu einer Geldbuße von 12.000 Euro verurteilt und erhielt einen Verweis.

Die vier Beamten gehörten zu einer Spezialgruppe der Frankfurter Steuerfahndung, die gegen Besitzer verdeckter Auslandskonten ermittelt hatten. Sie werteten akribisch Akten aus, die bei mehreren Banken beschlagnahmt worden waren - und leiteten, teilweise mit Hilfe der Staatsanwaltschaft, mehrere tausend Verfahren ein.

Als ihre Abteilung nach zahlreichen Erfolgen überraschend von einem Großteil der noch unbearbeiteten Fälle abgezogen wurde, begannen zahlreiche Fahnder sich bei ihren Vorgesetzten zu beschweren. Ihr Verdacht war, dass die hessische Landesregierung offenbar lieber milde mit Steuersündern umgehen wolle, um mögliche Investoren nicht zu verschrecken.

Dieser Verdacht wurde vom hessischen Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) zwar strikt zurückgewiesen, die Fahnder blieben gleichwohl unbequem. Ihre Proteste brachten der Regierung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) unter anderem einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein, in dem wenig schmeichelhafte Zustände der hessischen Steuerverwaltung geschildert wurden.

Mehrere Fahnder wurden indes gegen ihren Willen in den Ruhestand versetzt - mit Hilfe von Gutachten, die der jetzt verurteilte Psychiater Thomas H. aus Frankfurt am Main verfasst hatte. In den Expertisen werden den Beamten "Anpassungsstörungen" oder eine "paranoid querulatorische Entwicklung" unterstellt, für die es keinerlei Aussicht auf Besserung gebe. Obwohl zum Teil erst 36 Jahre alt, wurden die Fahnder daraufhin in den Ruhestand versetzt - zwei von ihnen verdienen inzwischen ihr Geld als Steuerberater.

Vier Fahnder wehrten sich jedoch gegen die Entfernung aus dem Amt und legten die Gutachten der Landesärztekammer vor. Die erkannte schon nach einer ersten Durchsicht der dürren Expertisen den "hochgradigen" Verdacht einer "Gefälligkeitsbegutachtung". Die Kammer leitete ein berufsständisches Verfahren beim zuständigen Verwaltungsgericht Gießen ein, das den Verdacht jetzt bestätigte. Der Gutachter H. wurde wegen "fehlerhafter Erstattung von Sachverständigengutachten" für schuldig befunden. Er habe, so das Gericht, gegen ärztliche Sorgfaltspflichten verstoßen.

Thomas H., der in der Vergangenheit immer wieder vom Land Hessen in zahlreichen dienstrechtlichen Verfahren sowie in Gerichtsprozessen als Gutachter eingesetzt worden war, wollte sich dem SPIEGEL gegenüber nicht äußern. Er kann, ebenso wie das Land Hessen, innerhalb von vier Wochen Berufung gegen das Urteil einlegen. Gegen H. läuft jedoch in gleicher Angelegenheit noch ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren - wegen des Verdachts auf "Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse".

Sollte das Verwaltungsgerichtsurteil Bestand haben, könnten noch zivilrechtliche Verfahren auf H. und das Land Hessen zukommen: Die Fahnder prüfen derzeit, ob sie den Verdienstausfall einklagen werden, der ihnen durch die Zwangspensionierung aufgrund der fragwürdigen Gutachten entstanden ist - oder sogar eine Rückkehr in den Job.
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    george orwell (33) aus oslo / norwegwn schrieb am 22.05.2010 Eintrag Nr. 35    
Submitted by truud2 on Mon, 05/17/2010 - 09:25
in

* Daily Paul Liberty Forum

Norway: The Last of the Soviet dictature's republics?

Norwegian Political dissident and former foreign office lawyer, Synnøve Fjellbakk Taftø, has been forcibly hospitalized for "psychiatric treatment" for the 5th. time(!) after she, following the 1994 EU membership referendum started accusing the Norwegian authorities of deceiving the nation by signing a quasi EU membership accepting a clearly unconstitutional Brussel's rule in spite of the people twice having voted NO to EU membership in national referendums in 1972 and 1994. Her forced internment came a few days after publishing the following article, where she accuses the Norwegian foreign minister, Jonas Gahr Störe, of primarily being an agent for globalist interests:

http://www.nyhetsspeilet.no/2010/05/globalistenes-fremste-ag...

The article is in Norwegian, but I found the automatic Google English translation readable enough to understand the broad context (to translate just click the American flag under the heading "Translator" out on the right edge.

Psychiatric "treatment" of political dissidents used to be a Soviet speciality, that now seems to live on in perfect health in Norway.
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    smooch (28) aus caballist wharf / ukk schrieb am 22.02.2010 Eintrag Nr. 33    
Whaddupp,Dog?

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/science/medicine/article7034985.ece

Stressed-out pooches pop a Prozac
Prozac
Lois Rogers

*

If your dog is barking mad, help is at hand. You can give it some Prozac.

A dog version of the anti-depressant drug has been launched in America and will soon be available in Britain.

It will be used to treat a canine compulsive disorder in which faulty genes combine with stress to produce excessive licking, whimpering and tail-chasing.

The drug, called Reconcile, comes in a beef-flavoured chewy form and is also expected to curb compulsive pacing, chewing and dribbling.

Prozac, which has been used to cure compulsive behaviour in humans, works by increasing the brain’s levels of serotonin, a mood-lifting chemical.

Trials involving more than 660 mentally disturbed pets in Europe and America produced improvements in behaviour within eight weeks.

“Treatment for companion animals is a relatively new area for us,” said Eli Lilly, the drug’s US manufacturer, which has been granted a licence by Britain’s Veterinary Medicines Directorate.

Animal behaviour research shows that as many as 8% of dogs suffer from canine compulsive disorder. But critics say dogs are now being diagnosed with “lifestyle” illnesses so that drugs can be marketed to treat them.

Roger Mugford, an animal psychologist, said: “Most breakthroughs in [dog] behaviour are achieved by carrying a titbit and using it wisely, not by drugs.”
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    Coucoutas (28) aus wien / österreich schrieb am 04.01.2010 Eintrag Nr. 32    
DANKE !vielen dank-der verfasser u diese seite selber haben mir gerade sehr geholfen.
ich hätte gerne noch mehr solche ehrlichen ratschläge.
schlimm genug wenn es einem "scheisse" geht, aber noch viel schlimmer ist das blöde gerede und angelogen zu werden!
ich habe zum glück eine sonne im herzen, die selbst in den dunkelsten stunden ein wenig für mich scheint-ich hoffe das bleibt so.........

Nochmals 1000 Dank und ich wünsche jedem von ganzem herzen, dass er seine persönliche sonne findet.... (man hört sich das vielleicht irre an *ggg*)
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    Rita Ritaliates (28) aus zuerich / ch schrieb am 20.10.2009 Eintrag Nr. 31    
Was ist pharmakologisches Enhancement?

Jörg Auf dem Hövel 19.10.2009
Eine Expertengruppe hat versucht, die zukünftige Rolle von "Neuro-Enhancement" zu verorten
Es wohnt eine feine Ironie in der Aufforderung, anhand der psychoaktiven Substanzen die Fragen des gelingenden Lebens wieder neu zu diskutieren. Die Diskussion um die sogenannten "kognitiven Enhancer" und das "Neuro-Enhancement" erinnert ein wenig an die 60er Jahre, als mit den Psychedelika wie LSD und Psilocybin plötzlich Wirkstoffe zur Verfügung standen, die tief in die Psyche eingreifen, und mittels derer, so hofften manche, ein neues Zeitalter, wenn doch nicht eingeläutet, so doch zumindest unterfüttert werden konnte. Heute sind die Ziele bescheidener, es geht um die Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit und die positive Modifikation der Stimmung. Gleichwohl lässt sich aus der frühen Vergangenheit lernen, welche Mechanismen greifen, wenn es um die pharmakologischen Beeinflussung des menschlichen Geistes geht.


Den Verfassern des [extern] Memorandums ist zu gratulieren, nicht nur, weil zum ersten Mal im deutschsprachigen, vielleicht sogar im internationalen Kontext, die pharmakologischen und soziologischen Entwicklungen rund um das Neuro-Enhancement (NE) zusammenfassend eingeordnet und zugleich die zentralen Fragen gestellt wurden. Wichtig war auch festzustellen, dass trotz aller Medienberichte keine belastbaren Daten zur Verbreitung von Enhancement existieren. Was die individuellen und sozialen Rahmenbedingungen und spezifisch pharmakologischen Effekte der vermeintlichen neuen Substanzen angeht, sind einige Ergänzungen zu leisten, um die Diskussion weiterhin fruchtbar zu halten.

Zentral für die Beurteilung von psychoaktiven Wirkstoffen, seien es legale Medikamente oder illegale Drogen, ist zweierlei: Zum einen der Grundsatz "Keine Wirkung ohne Nebenwirkung". Noch fehlen Langzeitstudien zu den Enhancern, es fehlen auch praktische Erfahrungen mit Hardcore-Usern, die meinen, erst mit hohen Dosierungen gut funktionieren zu können. Es wäre eine positive Überraschung, wenn hier tatsächlich neue Wirkstoffe existieren würden, die, dem Koffein ähnlich, bei vernünftiger Dosierung wenig Nachteile mit sich bringen. Methylphenidat (Ritalin) beispielsweise ist sicher nicht so ein Wirkstoff, der Kleinwuchs der Konsumenten ist bewiesen. Zum anderen sind psychoaktive Substanzen immer auch ein Produkt, eine simple Ware, die den Gesetzen des Marktes gehorcht. Die ökonomischen Dimension des NE wird an Bedeutung gewinnen, wenn sich die Medikamente zukünftig tatsächlich auf dem Markt durchsetzen.
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Das nun ausgerechnet Ritalin und Modafinil und die anderen primär leistungssteigernden Medikamente dazu beitragen sollen, einen kreativen Umgang mit sich selbst und seinen Mitmenschen zu fördern, wie das die Autoren wünschen, verwundert. Wer die Mittel schon einmal probiert hat, wird bestätigen, dass einem da nicht das Herz aufgeht, sondern man eher die Pobacken zusammen kneift, um es mal lapidar zu formulieren. Funktion und Wille stehen im Vordergrund, genau deshalb wurde beispielsweise Modafinil bei den britischen Truppen in Afghanistan und Irak eingesetzt. Methylphenidat ist ein enger Verwandter von Amphetamin ("Speed") und steht ebenfalls nicht in dem Ruf, emotional wertvolle Prozesse anzuschieben.

Eliminierung unerwünschter Persönlichkeitseigenschaften

Von was reden wir also, wenn wir von kognitiven Enhancern sprechen? Doch in erster Linie von Substanzen, die Menschen stromlinienförmig im Arbeitsalltag agieren lassen. Und geht es nicht um Arbeit, so geht es um die Eliminierung unerwünschter Persönlichkeitseigenschaften; eine seltsames Phänomen unserer Zeit, die droht, aus jeder kleinen Macke ein behandlungswürdiges Syndrom zu machen. Hier spielen Psychologen, Wissenschaftler, Ärzte und Pharma-Unternehmen eine Rolle, sie alle tragen dazu bei, dass der Katalog der psychischen Krankheiten immer länger wird. Christopher Lane hat in seinem Buch "Shyness: How Normal Behavior Became a Sickness" gut beschrieben, welche Kräfte bei der Transformierung der Schüchternheit in die behandlungswürdige Sozialphobie am Werk waren.

Noch etwas muss bedacht werden. Der Begriff der "Kognition" wird im Zusammenhang mit NE so unscharf verwendet, dass viel gemeint sein kann, praktisch aber nur wenig erreicht wird. Durchhaltevermögen und Konzentrationsfähigkeit mögen mit diesen Mitteln zeitweise verbessert werden, die Hoffnung aber, dass damit das Kurzzeit- oder gar Langzeitgedächtnis gefördert werden können, haben sich nicht bestätigt.

Vereinfacht gesagt war die Annahme: Weil bestimmte Medikamente Demenzkranken helfen, müssen sie auch bei Gesunden wirken. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man ein chemisch aus der Balance geratenes Gehirn wieder zu Normalform zurückleiten will oder aber ein korrekt funktionierendes Gehirn optimieren möchte. Der Körper scheint evolutionär bedingt eine recht effektive Balance zu halten, deren Modifikation von uns als Verbesserung, vom Körper selbst aber als Störung interpretiert werden kann. Es kann darüber spekuliert werden, ob die von den Autoren erwähnten Methoden wie Meditation aufgrund ihrer langer Tradition nicht viel behutsamer und auf lange Sicht effektiver wirken. Der Körper und sein Gehirn, so lässt sich weiter vermuten, kann sich an die neuen Prozesse besser gewöhnen und nimmt sie nicht als Gleichgewichtsstörung wahr, die er auszugleichen sucht.

Antriebsdrogen für die Leistungsgesellschaft

Wie soll nun die Gesellschaft mit NE und seinen pharmakologischen Substraten umgehen? Die Autoren des Beitrags sehen zunächst den Einzelnen am Zug. Er soll sich fragen, weshalb er einen Neuro-Enhancer im Einzelfall einnimmt. Auf die individuelle Redlichkeit zu setzen ist zwar im liberalen Gemeinschaftsgefüge richtig, aber natürlich ist der Einzelne in seinen Entscheidungen stark beeinflusst: Nämlich durch die Rahmenbedingungen der Gesellschaft, in der er lebt. Grenzziehungen der individuellen Redlichkeit zu überlassen, ist eine Methode, sie funktioniert nur bedingt in einer Gesellschaft, die im "Schneller, Höher, Weiter" ihr Seelenheil sieht.

Es ist kein Zufall, dass die im Beitrag diskutierten Substanzen wie Modafinil und Ritalin eben keine kreativen oder gar spirituellen Enhancer sind, sondern pure Antriebsdrogen. Ihr transformierendes Potential ist gering, Kritiker vermuten daher nicht zu unrecht, dass sie auch deshalb noch nicht in die Schusslinie der drogenpolitischen Wächter geraten sind. Aber das Geschrei wird groß sein, wenn die erste bayerische Klassenreise statt auf Wodka-Red Bull auf Modafinil gesetzt hat. Und dann, so viel lässt sich vorhersagen, greifen nicht die wissenschaftliche Diskurse, sondern die klassischen Mechanismen von Schuldzuweisung, Sündenbocksuche und Verteufelung. Spätestens dann wird auch das Stichwort der "Einstiegsdroge" fallen.

Die Frage ist also, wie man die Fehler und Verbotsreflexe der herkömmlichen Drogenpolitik verhindert. Noch umwebt die Neuro-Enhancer ein klinisch reiner Schein, ein Phänomen, das sich nach dem Abgleiten in der Schwarzmarkt mit seinen hinlänglichen bekannten Begleitphänomenen sofort verändern würde. Es wären nicht die ersten Substanzen, die den Weg vom Medikament über den Geheimtipp bis hin in die Schmuddelecke genommen hätten. Es sind eben primär die Konsummuster, die jede Substanz, jedes Medikament, ja, jedes Objekt zum Suchtmittel werden lassen können. Max Goldt wollte nicht nur herumalbern, als er eine Fiktion von einer alljährlichen Injektion von reinem Heroin in einer gepflegten Schweizer Bergklinik entwarf, in der ihm nach mehrtägigem Aufenthalt die Krankenschwestern zum Abschied winken.

Neuroenhancer Kokain?

Sicher steht es im Rechtsstaat jedem grundsätzlich frei, "über sein persönliches Wohlergehen, seinen Körper und seine Psyche selbst zu bestimmen", wie die Autoren schreiben. Nur hat diese Freiheit halt ihre Schranken, nämlich dort, wo die Freiheiten und Rechte Anderer betroffen sind. Es ist diese rechtliche Konstruktion, die spezifische psychoaktive Substanzen auf der Verbotsliste landen lässt, weil ihr potentieller Nutzen im Vergleich zu ihrem potentiellen gesamtgesellschaftlichen Schaden als gering beurteilt wird.

Um es mal provokativ zu drehen: Der von manchen Intellektuellen als Neuro-Enhancer genutzte Wirkstoff Kokain steht deshalb im Betäubungsmittelgesetz, weil eine Ausbreitung seines Konsums als sozial zersetzend gilt. Was damit gesagt werden soll? Dass sich an der Reglementierung und vernünftigen Einbettung des Konsums psychoaktiver Substanzen die akzeptierende wie konservative Drogenpolitik seit Jahrzehnten die Zähne ausbeißt. So entstehen zwar viele Probleme erst durch die Kriminalisierung der Konsumenten, auf der anderen Seite hören die Verelendungsprozesse von Heroin-Konsumenten durch die freie Zugänglichkeit zur Reinsubstanz nicht auf.

Grundlage für die Verschreibungsfähigkeit von Wirkstoffen sollte das wissenschaftliche erforschte Wirkung- und Nebenwirkungsspektrum dieser Substanzen sein. Dass dies nur die halbe Wahrheit ist, zeigt die Pharmaziegeschichte, denn das Urteil unterliegt Schwankungen, despektierlich gesagt: Moden, deren maßgebliche Initiatoren und Beeinflusser die Hersteller dieser Substanzen und die aktuell herrschende gesellschaftliche Moral sind.

Ein genauerer Blick in die Historie der Pharmako-Therapie psychischer Krankheiten zeigt deutlich die oft willkürliche Hinwendung zu neuen Medikamenten, deren einziger Vorteil eine Verschiebung im Nebenwirkungsspektrum ist. Unlängst beklagte der ehemalige Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Bruno Müller-Oerlinghausen, die stetig ansteigenden Verschreibungszahlen von Neuroleptika wie Seroquel, die nicht mehr nur bei Schizophrenie, sondern zur Beruhigung alter Menschen, verhaltensauffälligen Jugendlichen und Angststörungen verschrieben werden. Verantwortlich dafür sei eine "gigantische Marketing-Maschinerie der Pharmaindustrie, die eine wahre Gehirnwäsche bei der Ärzteschaft bewirkt hat".

Aus dieser Sicht ist der Wunsch der G&G-Autoren nach einer Stärkung der Rolle der Ärzte zweischneidig. Deren Unabhängigkeit wird von den pharmazeutischen Unternehmen hart bedrängt, ihre Fortbildung ist noch immer primär industriegesponsort, ihre Praxen sind Ziel von gut geschulten Pharma-Referenten. Auf lange Sicht dürfte es daher klüger sein, weiterhin auf die klassischen und natürlich nachwachsenden Rohstoff-Enhancer zu setzen: Fair gehandelter Kaffee oder Tee, im morgendlichen Ritual aufgebrüht, zusammen mit dem Partner am Tisch genossen.


Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31302/1.html
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    paxomat (50) aus depressed valley / us schrieb am 14.10.2009 Eintrag Nr. 30    
GSK hit with $2.5m ruling in antidepressant case - October 14, 2009

paxil.jpgGlaxoSmithKline has been ordered to pay out $2.5 million in a lawsuit over birth defects allegedly associated with its antidepressant Paxil.

Bloomberg reports that 599 similar cases are in the pipeline (personally I wonder how many potentially $2.5m a year grossing drugs are in GSK’s pipeline).

“The first win is always huge, especially when you get a jury saying the drug caused the injury,” says Sean Tracey, the lawyer for the family of Lyam Kilker, who was born with heart defects and whose mother was using Paxil.

The Philadelphia Inquirer notes:

By a 10-2 margin, jurors said Glaxo officials had “negligently failed to warn” the doctor treating [Kilker's mother Michelle] David about Paxil's risks and concluded the medicine was a “factual cause” of the child's heart defects.

But the jury also found that Glaxo’s handling of the drug was not “outrageous”, meaning the family could not seek punitive damages against the drugmaker.

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    shaffer (22) aus ny, ny / udsa schrieb am 22.07.2009 Eintrag Nr. 29    
Gefangen hinter Sicherheitstüren
Wenn die Ärztin Patientin wird, verschieben sich Perspektiven: Die Psychiatrieerfahrungen einer Psychiaterin, geprägt von Entwürdigung und Zwang
VON MIRIAM BUNJES

Manchmal hat Katharina Künkele* Angst, wenn sie in ihrer Mittagspause laut gelacht hat. "Wenn ich mich auffällig verhalte, lande ich ganz schnell wieder im Bau", sagt sie und nimmt einen tiefen Zigarettenzug. Der Klinikalltag einer Psychiaterin, die hin und wieder auch hinter den verschlossenen Türen einspringt, erlaubt keine persönlichen Ängste. Aber Zweifel. "Die meisten meiner Kollegen zweifeln viel zu wenig an dem was sie tun", sagt die Ärztin. "Das ist gefährlich in unserem Beruf."

Die Geschichte von Katharina Künkeles Zweifeln ist lang, verwickelt und schmerzhaft. Deshalb zittern die Hände der schlanken 50-Jährigen leicht, wenn sie in der dicken Akte blättert. Ihrer Patientenakte.

Damals, im Januar 1999, war das anders. Da redete die Ärtzin aus dem Ruhrgebiet plötzlich doppelt so schnell, dachte zu viele Gedanken gleichzeitig, um dann stundenlang erschöpft auf dem Wohnzimmersofa zu liegen.

Oder mit ihrem Mann zu streiten. "Dadurch, dass ich meistens aufgedreht und gereizt war, eskalierte unser Zoff täglich mehr", sagt Katharina Künkele. Ihr Mann organisiert schließlich hinter ihrem Rücken einen Termin in einer psychiatrischen Klinik im Umland. "Plötzlich stand draußen ein Krankentransport", erinnert sich die Psychiaterin. "Ich war völlig überrumpelt, fuhr aber zähneknirschend mit. Mir war ja damals auch klar, dass es mir psychisch nicht gut ging."

Der Psychiater findet seine Kollegin nicht sonderlich verrückt. "Sie haben in erster Linie eine Ehekrise", sagt er zu ihr und überweist sie mit der Diagnose "manische Belastungsstörung" in eine auf psychosomatische Erkrankungen spezialisierte Klinik ins Rheinland. Sie nimmt Medikamente, fühlt sich schnell besser. "Dann sollte ich mehr Medikamente nehmen", sagt die Ärztin. "Als ich das nicht wollte, wurde ich von einer Minute auf die andere entlassen." Im Entlassungsbrief steht später: "Die Patientin weigert sich, ihre Medikamente einzunehmen". Die Laborwerte beweisen das Gegenteil.

Zuhause geht der Ehestreit weiter, sie fühlt sich nach wenigen Tagen genauso schlecht wie vorher. Freunde überreden sie, sich in eine psychiatrische Klinik - diesmal in Köln - einweisen zu lassen. Zu ihrer Überraschung ist ihre Diagnose längst dort. "Über die ärztliche Schweigepflicht hat man sich einfach hinweggesetzt", sagt Katharina Künkele.

Sie beginnt trotzdem mit einer Therapie, weil sie sich krank fühlt. Auf der geschlossenen Station. "Ich hatte keine Angst davor. Als Psychiaterin wusste ich, dass eine geschlossene Station eigentlich nichts Schlimmes ist."

Vier Tage später ist sie nicht mehr freiwillig dort. "Nach einem ausführlichen Gespräch mit meinem Mann sagte der Arzt zu mir: "Wenn Sie dieses Medikament jetzt nicht nehmen, mache ich ihnen eine PsychKG."

Diese Drohung mit der PsychKG - wie eine Zwangseinweisung nach Psychisch-Krankengesetz im Fachslang genannt wird - sind Alltag in der nordrhein-westfälischen Psychiatrie, sagt Matthias Seibt vom Landesverband Psychiatrieerfahrener. "Das glaubt einem aber kein Mensch, wenn man da mit seiner schwerwiegenden Diagnose vor dem Richter sitzt."

In der Begründung für Künkeles Einweisung steht sowieso etwas anders: "Drohende Verschlechterung durch Behandlungsverweigerung." Auch kein ausreichender Grund für eine Psych-KG. "Um einen derartigen Eingriff in die Menschenrechte zu rechtfertigen, müssen die Erkrankten schon akut gefährlich sein - körperlich aggressiv anderen gegenüber oder Selbstmord gefährdet zum Beispiel", sagt Georg Bruns, Verfasser einer der wenigen psychiatrischen Studien zum Thema. "Selbst- oder fremdgefährdend" heißt es im Gesetz - das bei einem Drittel aller Einweisungen unterschiedlich ausgelegt würde, so Bruns. "Tausende Menschen werden jährlich zu Unrecht eingewiesen."

Innerhalb von einem Tag überprüfen Amtsrichter den Einweisungsbeschluss. "Das Gutachten der Ärzte wird aber fast nie in Frage gestellt", sagt Georg Bruns.

Auch Katharina Künkele muss jetzt wohl oder übel die Medikamente schlucken. "Mir ging es dadurch zumindest kurzfristig auch besser", sagt sie. Sie hört auf, mit den Ärzten zu streiten, will noch einmal von vorne anfangen. "Die Zwangseinweisung tat ich als individuellen Ausrutscher ab." Drei Wochen später wird sie entlassen, fängt wieder an, zu arbeiten. Das Medikament schluckt sie weiter, sogar ein halbes Jahr länger als verordnet. "Ich bin keine Medikamentengegnerin."

Es wird ein schwieriges Jahr. Die Kollegen gehen auf Distanz, die durch die anhaltenden Streits zermürbte Psychiaterin wirft ihren Mann raus, lässt die Schlösser austauschen, sperrt das gemeinsame Konto. Als sie das Medikament absetzt, bekommt sie einen Rückfall. Sie geht zurück in die Kölner Klinik. Aufgrund Aussagen Dritter müsse sie in die geschlossene Abteilung, sagt man ihr dort nach wenigen Tagen. "Da wusste ich: Meine Ehe war endgültig kaputt." Katharina Künkele setzt sich in den Stationsgarten und wartet auf ihren Mann, mit dem sie ein letztes Mal über alles sprechen will. Er kommt nicht. Dafür irgendwann der nachtdiensthabende Arzt. Katharina Künkele will bis Mitternacht im Garten auf ihren Gatten warten, weigert sich, in ihr Zimmer zu gehen, weint. "Gefährdet die Rechtsgüter ihres Mannes, sperrt Konten, tauscht Schlösser aus", steht in der Zwangseinweisung, unterschrieben von einer Ärztin, die schon längst im Feierabend ist.

Eine illegale Zwangseinweisung, wie acht Wochen nach ihrem sofort eingereichten Widerspruch das Landgericht Köln feststellt. "Ehestreitigkeiten haben nichts mit dem PsychKG zu tun", schreiben die Richter. Noch während sie schreiben, hat Katharina Künkele das nächste Zwangserlebnis. Obwohl sie nach der richterlichen Anhörung in ein ostwestfälisches Krankenhaus ihrer Wahl verlegt wurde: Als sie ein bestimmtes Medikament nicht einnehmen will, wird sie auch dort zwangsweise auf die geschlossene Station eingewiesen. Begründung: "Sie will sich nicht behandeln lassen und gefährdet sich durch Chronifizierung." "Ich wusste, dass das Medikament noch nicht ausgiebig erforscht war", sagt sie.

Nach drei Wochen kommt sie auf die offene Station. Sie erfährt, dass die behandelnde Ärztin ein Betreuungsverfahren angeregt hat. Erschreckt flieht sie aus der Klinik, taucht für zwei Monate auf einem alten Bauernhof unter und engagiert einen Rechtsanwalt. Ihre Angst vor der Entmündigung hat sie inzwischen verloren. "Ich hatte jetzt mehrere Monate ohne Rückfall überstanden. Das Gutachten konnte nur noch positiv ausfallen", sagt die Ärztin. "Ohne meine Flucht hätte ich keine Chance gehabt." Denn die Gutachterin ist dieselbe Ärztin, die das Betreuungsverfahren angeregt hat.

Ein übliches Vorgehen in nordrhein-westfälischen Gerichten. "Ist doch auch sinnvoll", sagt der Dortmunder Richter Reinhard Kokoska. "Die behandelnden Ärzte kennen ihre Patienten schließlich am besten." Dass das Ergebnis der Begutachtung, die mit etwa 50 Euro pro Arbeitsstunde honoriert wird, eigentlich schon vorher feststeht, glaubt Kokoska nicht. "Wir können uns da schon auf die Ärzte verlassen", sagt der Richter. Außerdem würden die Betroffenen ja auch von den Richtern angehört. Wenn jemand einen anderen Gutachter fordere, geben man dem natürlich statt. "Die meisten Anregungen von klinischen Psychiatern sind jedoch gerechtfertigt", sagt der Richter.

"So gut wie jede Zwangseinweisung kommt durch", sagt Katharina Künkele. "Es liegt also einzig und allein in unserem Ermessen, ob sie sein muss." Sie stellt inzwischen jeden Zwang in Frage, denn noch heute bricht ihre Stimme, wenn sie sagt: "Ich habe mich so derartig ausgeliefert gefühlt. Aber wenn ich das gesagt habe, wurde das nur als Teil meiner Krankheit gesehen."

Natürlich gebe es gefährliche psychisch Kranke. Aber auch die könne man manchmal ohne Zwang zu einer Therapie überreden. Und wenn nicht? Sie seufzt. "Ich bin froh, dass ich nicht täglich solche Entscheidungen treffen muss." Viele ihrer Kollegen hätten jedoch nicht die Geduld, sich den Zweifeln zu stellen. "Sie glauben ja in der Regel nicht, dass Zwang schadet."

Eine Glaubensfrage ist die Zwangseinweisung offenbar tatsächlich. Mehr als 30.000 Zwangseinweisungen wurden 2003 bei nordrhein-westfälischen Gerichten beantragt. Die regionalen Unterschiede sind enorm: 1.200 Einweisungen allein nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz verzeichnet im vergangenen Jahr das Amtsgericht Dortmund, zu dessen Bezirk auch der Kreis Unna gehört. In Herne gab es im gleichen Jahr 64 - nach Psychisch-Kranken-Gesetz und Betreuungsrecht. "Wir versuchen mit allen Mitteln Gewalt in der Psychiatrie zu verhindern", sagt Matthias Krisor, Chefarzt der St. Marien Hospitals - Hernes Psychiatrie. Eine geschlossene Station gibt es hier nicht, die Zwangseingewiesenen werden auf verschiedene Stationen verteilt, um die Probleme nicht zu kumulieren. "Wenn jemand seine Medikamente nicht nehmen will, versuchen wir es erstmal ohne - oft brauchen die Patienten auch einfach Ruhe", sagt Krisor. Um die gewaltfreie Psychiatrie zu kontrollieren, gibt es auf jeder Station von den Patienten gewählte Vertreter. Die Philosophie ist auch bei den städtischen Ordnungsbehörden und dem sozialpsychiatrischen Dienst Konsens - mehr Selbstmorde oder tätliche Angriffe durch psychisch Kranke gibt es in der Ruhrkommune nicht.

Katharina Künkele hat Rückfälle in ihre Lebensplanung einkalkuliert. Welche Medikamente sie nehmen will, wer über eine Einweisung entscheiden soll, wenn sie es nicht mehr kann - all das hat sie in einer Patientenverfügung verschriftlicht. "Ich hoffe, dass ich nie wieder derart entwürdigt werde" sagt sie. Bis dahin will sie weiter Zweifel säen.

* Name von der Redaktion geändert.

taz NRW Nr. 7597 vom 22.2.2005, Seite 3, 330 Zeilen (TAZ-Bericht), MIRIAM BUNJES

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    S.Breth (29) aus Wiesbaden / Deutschland schrieb am 10.07.2009 Eintrag Nr. 28    
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    S.Breth (29) aus Wiesbaden / Deutschland schrieb am 10.07.2009 Eintrag Nr. 27    
Ich muß hier nun mal meine Berührtheit über diese Seiten aussprechen! Ich finde es so sehr gut und richtig das jemand über all das schreibt. Es ist ja wohl auch das Ur-Natürlichste auf der Welt!

Ich bin nun schon seit c.a. 10 Jahren "gesellschaftstüchtig", d.h. habe eine Familie, gehe einer angesehenen, geregelten Arbeit nach etc. und es war harte arbeit..habe davor selber erleben dürfen, was es heißt psychisch krank zu sein. Ich finde jeder sollte einfach mitarbeiten, vertrauen und viel an sich arbeiten. Ich bin so dankbar, das ich "heil" aus meiner Kriese herausgekommen bin, aber ich bin auch ein wenig stolz auf mich, denn ich denke es ist enorm wichtig selbst mit viel Kraft zu wachsen und die Dinge anzunehmen wie sie eben sind. (Mich anzunehmen wie ich bin) Auch wenn die Dinge für mich eben noch oftmals anders erscheinen als für die Mehrheit. Einen geschulten Blick auf die Normalität der Gesellschaft ist da schon nötig, um immer einzuschätzen was gerade angebracht ist..aber das lernt man eben mit besagter Achtsamkeit.. wie schon gesagt, die Seite hat mich sehr berührt, gerade weil sie so einfach und menschlich formuliert ist!
Vielen Dank!
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    tz (56) aus sgdegaf / adgfsg schrieb am 05.08.2008 Eintrag Nr. 26    
4. November 2006 18:05
Deutschlands Demokratie macht krank...
Screet

Moin!

> Selbsthilfegruppen, mit Freunden oder ganz alleine geschehen, und mit
> Reflektion meine ich vielmehr das Ziehen von Konsequenzen, das man
> den gewalttätigen Freund, die manipulativen Eltern etc, zum Teufel
> jagt, daß man u.Umständen den Beruf wechselt oder sich gar
> frühverrenten läßt, etc.

Ja, genau da versagen die AD ihren Dienst, weil sie ein "weiter so
wie bisher" fördern. Sie ohne begleitende Therapie zu verschreiben,
sollte strafbar sein. Mirtacapin ist z.B. bei mir sogar als
Verhaltensändernd aufgefallen: Ich wollte plötzlich alles mögliche
kaufen. Lediglich, weil ich wußte, daß das ne Pillenwirkung ist,
konnte ich dem verlockenden Drang, zu kaufen, widerstehen.

> Meine Tante war chronisch depressiv, sie wurde, wenn sie ihrer
> Familie lästig wurde, in Kliniken abgeschoben, vor den Kliniken und
> Tabletten hatte sie übrigens die größte Angst...(aber sie war ja nun
> mal lästig)

Ja...ein Verhalten, das durch die staatlichen Sanktionierungen noch
gefördert wird: Krankengeld läuft aus, bereits von Anfang an wird
Druck auf die Leute ausgeübt, wieder so weiterzumachen, wie bisher
und zum Ende des Krankengeldes hin wird man aufgefordert, sich
entweder für eine Einweisung zu entscheiden, oder sich arbeitslos UND
arbeitssuchend zu melden (= weiterer sozialer Abstieg), selbst, wenn
man einen gutbezahlten Job hat und der Chef einen unbedingt "heil"
wiederhaben möchte.

> Ich selber hatte auch schon das unschöne Vergnügen, fast ein halbes
> Jahr im Bett zu verbringen und eben die Erfahrung zu machen, daß AD
> eine Frechheit sind...

Lieber Guantanamo als Mirtacapin...die könnten sich das Foltern
sparen, wenn sie die Inhaftierten entsprechend medikamentieren
würden.

> Und zur Theorie:
> Die Hypothese vom "chemischen Ungleichgewicht" ist GÄNZLICH
> UNBEWIESEN; diese ist nichts anderes als eine Wunsch/Alibi-Theorie
> der Pharmafirma und Biopsychiatry,Menschen unter profitträchtige
> psychoaktive Substanzen zu setzen, sämtliche Forschung hierzu blieb
> bisher ergebnislos!

Das menschliche Hirn paßt sich halt der Lebenssituation an. Wenn die
entsprechend negativ ist, wird auch wenig Grund zur Ausschüttung von
Serotonin da sein. Zu behaupten, daß dieser Mangel krankhaft ist, den
Betroffenen die finanziellen Ressourcen zu kappen, sie von Freunden
zu isolieren und ein System zu schaffen, daß soziale Isolation noch
verstärkt, während gleichzeitig hochbezahlte Ärzte sich dumm und
dämlich verdienen, Medikamente verschreiben, die den Aktionären hohe
Gewinne einbringen und die Kosten (Druck) für die Arbeitende
Bevölkerung somit erhöht, schafft zynischerweise einen
gesellschaftlichen Kreislauf, der die Probleme insgesamt verschärft.

Hartz IV und Lobbykratie sind in diesem Sinne leider perfekte
Instrumente. Es wird dringend Zeit, daß sich die Politik wieder
darauf besinnt, die Menschen zusammenzuführen und Lebensbedingungen
schaffen, die die Menschen glücklicher machen, statt immer weiter mit
Druck und Angst zu versuchen, die Menschen noch stärker zu
kontrollieren. Mir graut vor den Folgen der jungen Menschen, die laut
einer kürzlichen Studie aus Angst vor sozialem Abstieg besonders
tolles Sozialverhalten und berufliches Engagement zeigen. Das sind
die Schwerkranken von morgen, deren Kinder werden sicher ebenfalls
durch die entsprechende Erziehung der Eltern zutiefst geschädigt sein
und die Kosten für das System weiter explodieren, während sich einige
wenige dabei die Hände reiben.

> Genau, das ist natürlich unbequem, wenn der Depressive in dem
> minimalen kassenverordneten Zeitfenster von 1,2,3, Stunden an
> menschlicher "therapeutischer" Zuwendung PRO WOCHE , nicht auftaut
> und nicht zugänglich wird und womöglich sich auch noch erdreistet, zu
> heulen....

...und wenn Du dabei lernst, Deine Emotionen zu unterdrücken, bist Du
der lebenslang therapiebedürftige Borderliner. Praktisch!

Screet
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    ms (38) aus italien / europa schrieb am 04.07.2008 Eintrag Nr. 25    
Angelika C. Messner
Medizinische Diskurse zu Irresein in China (1600-1930)

Münchener Ostasiatische Studien (MOS)
Band 78

1. Auflage 2000.
Kartoniert

€ 42,00 / sFr 71,40 (UVP)

ISBN 978-3-515-07548-0

x
Die Eröffnung des ersten Irrenhauses in Kanton (1898) durch einen amerikanischen Missionsarzt markiert den Beginn der „westlichen“ Psychiatrie in China. Während der Republikzeit (1911-1949) wurde sie - insbesondere die Idee der Institution „Irrenhaus“ – von reformorientierten Intellektuellen im Rahmen ihres „modernistischen Diskurses“ als zentrale Notwendigkeit für Chinas Rettung und Erneuerung propagiert. Die vorliegende Monographie fragt nicht nur nach den Hintergründen und nach den Bemühungen, das spezifisch westliche medizinische Vokabular in die chinesische Sprache einzugliedern, sondern wesentlich auch nach den medizinischen Sicht- und Handhabungsweisen im indigenen Kontext. Wie haben chinesische Ärzte Irresein wahrgenommen und behandelt? Warum ergab sich im chinesischen Kontext niemals die Notwendigkeit, spezielle Häuser zur Behandlung von „Wahnsinnigen“ einzurichten?

"…innovative, well-structured and immensely useful…" Medical History
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    gurdjeff (32) aus münchen / bayern schrieb am 03.07.2008 Eintrag Nr. 24    
VOR 75 JAHREN:

14. Juli 1933: Verabschiedung des Zwangssterilisationsgesetzes

Die Verabschiedung des Sterilisationsgesetzes - offiziell als "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" bezeichnet - markiert den Ausgangspunkt einer bis dahin beispiellosen Verfolgung behinderter Menschen. Es hatte zwar schon seit der Jahrhundertwende vielfältige Diskussionsbeiträge gegeben, die die Unfruchtbarmachung von Alkoholikern, Strafgefangenen oder anderen Randgruppen befürworteten. Ebenso wurde die Unfruchtbarmachung in einzelnen Fällen sogar schon praktiziert. So ist für das Jahr 1897 erstmalig die Sterilisierung einer angeblich erbkranken Frau in Heidelberg belegt. Allerdings wurde der Gynäkologe E. Kehrer, der den Eingriff durchführte, zu diesem Zeitpunkt wegen schwerer Körperverletzung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Die Unsicherheiten, die auch bei den Befürwortern der Sterilisierung "Erbkranker" noch vor dem Ersten Weltkrieg bestanden, schwanden aber im Verlauf der Zeit. Zentral für die Durchsetzung einer gesetzlichen Regelung war die Agitation des Zwickauer Medizinalrates Gustav Boeters. 1923 reichte er beim sächsischen Gesundheitsministerium einen Gesetzentwurf ein, der die Sterilisierung bei angeborener Blindheit, Taubstummheit, Geisteskrankheit, Epilepsie und "Blödsinn" vorsah. 1925 reichte er einen weiteren Gesetzentwurf im Reichstag ein, der unter dem Namen "Lex Zwickau" bekannt wurde. 1932 lag dem preußischen Landesgesundheitsrat ein Sterilisationsgesetzentwurf vor, in dem es in § 1 hieß:

"Eine Person, die an erblicher Geisteskrankheit, erblicher Geistesschwäche, erblicher Epilepsie oder an einer sonstigen Erbkrankheit leidet oder Träger krankhafter Erbanlagen ist, kann operativ sterilisiert werden, wenn sie einwilligt und nach den Lehren der medizinischen Wissenschaft bei ihrer Nachkommenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit schwere körperliche oder geistige Erbschäden vorauszusehen sind."

Verwirklicht wurden diese Entwürfe nicht. Entschlossene Nationalsozialisten beklagten den langwierigen und bürokratischen Weg der preußischen Gesetzesvorlage. Im April 1933 drängte Fritz Sauckel, Gauleiter und seit 1932 Ministerpräsident in Thüringen, Reichsinnenminister Frick auf "die Unfruchtbarmachung Minderwertiger", und im Mai beantragte die Fraktion der NSDAP im Brandenburgischen Provinziallandtag ein Gesetz zur Zwangssterilisation.
In Berlin zögerte man zunächst noch ein Sterilisationsgesetz zu verabschieden. Es sollte lediglich mittels einer Strafrechtsnovelle die eugenische Sterilisierung legalisiert werden, soweit sie nicht gegen die guten Sitten verstoße. Das heißt, im Reichsstrafgesetzbuch wurde ein neuer § 226a eingeführt, in dem die eugenische Sterilisation mit Einwilligung des Sterilisanden erlaubt wurde.

Der neue § 226a entsprach aber noch nicht den Zielvorstellungen der Nationalsozialisten. Noch vor der Einführung des Paragraphen begannen die Vorarbeiten für ein eigenes Gesetz. Am 1. Mai 1933 wurde Arthur Gütt als Medizinalreferent im Reichsinnenministerium eingestellt. Zusammen mit dem Erbpsychiater Ernst Rüdin und dem Juristen Falk Ruttke arbeitete er fieberhaft und in Nachtstunden an einem Gesetzentwurf nebst Gesetzeskommentar. Am 13. Juni ließ Reichsinnenminister Frick seinem Medizinalreferenten mitteilen, er werde den fertig gestellten Gesetzentwurf noch möglichst vor der Sommerpause der Regierung zur Abstimmung vorlegen. Bereits zwei Tage vorher, am 11. Juni, klärten Reichsinnen- und Reichsjustizminister einige strittige Fragen, und der Gesetzentwurf kam auf die Tagesordnung der Kabinettssitzung am 14. Juli. Hitler befürwortete den Entwurf, so dass der Verabschiedung nichts im Wege stand. Allerdings wurde auf Vorschlag Papens mit der Veröffentlichung des Gesetzes im Reichsgesetzblatt so lange gewartet, bis die bevorstehende Unterzeichnung des Reichskonkordats mit dem Vatikan vollzogen war. Dies sollte am 20. Juli geschehen. Diesem Vorschlag schloss sich Hitler an. Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" vom 14. Juli wurde am 26. Juli bekannt gegeben und trat am 1. Januar 1934 in Kraft, weil noch eine Ausführungsverordnung und der schon erwähnte Gesetzeskommentar fertig gestellt werden sollte.

Mit diesem Gesetz schuf sich das NS-Regime ein Instrument, um angeblich minderwertige Menschen zu verfolgen. Als erbkrank im Sinne dieses Gesetzes galten "angeborener Schwachsinn", Schizophrenie, "manisch-depressives Irresein", erbliche Fallsucht, erblicher Veitstanz (Huntingtonsche Chorea), erbliche Blindheit, erbliche Taubheit, schwere körperliche Missbildungen erblicher Art und schwerer Alkoholismus. Etwa 350.000 bis 400.000 Sterilisationen wurden bis 1945 allein im Altreich, das heißt ohne die Unfruchtbarmachungen in den besetzten Gebieten, durchgeführt. Mehr als die Hälfte davon erfolgte aufgrund "angeborenem Schwachsinns". Anderen Schätzungen zufolge umfasste die größte Gruppe der Sterilisierten, die "Schwachsinnigen", etwa zwei Drittel der Gesamtzahl. Davon waren wiederum zwei Drittel Frauen.
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    ms britannia (28) aus leeds / UK schrieb am 02.03.2006 Eintrag Nr. 12    
Betrifft: Journal of Clinical Psychopharmacology, February 2006, Vol. 26(1), 71-74
Engelhardt, Feiger, Cogger, et al.:
Rating the Raters: Assessing the Quality of Hamilton Rating Scale for Depression Clinical Interviews in Two Industry-sponsored Clinical Drug Trials

In der Diskussion über die Wirksamkeit von SSRI und anderen Antidepressiva [1] wurde darauf hingewiesen, dass Studien, die von den Herstellern finanziert werden - das betrifft z.B. alle Zulassungsstudien - etwa 5mal häufiger zu positiven Ergebnissen kommen (hier: dem Plazeboeffekt überlegene Wirkung) als solche Studien, die unabhängig vom Erwartungsdruck eines Geldgebers durchgeführt werden [2].

Eine im aktuellen Journal of Clinical Psychopharmacology (Februar 2006) publizierte Untersuchung hat jetzt erstmals Anhaltspunkte dafür geliefert, durch welche Einflüsse dieser Unterschied bedingt sein könnte. Geprüft wurde die Qualität des Gebrauchs der Hamilton Depression Scale (HAM-D) [3]. Die durchschnittliche Verringerung des HAM-D-Scores dient in den meisten AD-Studien als Gradmesser der Wirkung. Es gibt fundierte Kritik an diesem Testinstrument [4]; Verbesserungen sind dringend nötig, aber nicht in naher Zukunft zu erwarten.

Die Autoren haben mit Zustimmung und Unterstützung (!) der Firmen Eli Lilly und Boehringer Ingelheim in zwei Antidepressiva-Studien die Patienteninterviews aufgezeichnet, die anhand der HAM-D durchgeführt wurden und deren Ergebnisse später die Hauptaussage der Studien bildeten. Die Tonaufnahmen wurden von unabhängigen Experten ausgewertet und nach einem vorher festgelegten Verfahren benotet. Maßstab waren die Gebrauchsanweisung zur HAM-D und allgemein anerkannte Regeln zur Interviewführung. Zum Einsatz kam die so genannte Rater Applied Performance Scale (RAPS), deren Score ausweist, inwieweit der untersuchende Arzt die (HAM-D-)Anleitung beachtete, auf Angaben des Patienten einging, sich neutral verhielt und welche Qualität sein abschließender Bericht in Form und Inhalt hatte.

Die Ergebnisse waren erschütternd: 72% der HAM-D-Interviews waren den beiden schlechteren (mangelhaft und befriedigend) Noten des 4stufigen Schemas zuzuordnen. Von den 28%, die in die beiden besseren Kategorien (gut oder exzellent) kamen, war nur ein einziges Interview "exzellent" (Gesamtzahl: 104, davon 102 bewertet). Bedenklich war die Kürze der aufgewendeten Zeit: Während die von erfahrenen Anwendern geforderte Dauer bei mindestens einer halben Stunde liegt, erledigten die von den Firmen bezahlten Prüfer ihre Aufgabe im Schnitt in nur 13 Minuten (min. 2 min, max. 35 min). 39% der Interviews waren kürzer als 10 Minuten, wobei insgesamt die Interviewdauer nicht mit der Schwere der Erkrankung korrelierte.

Die Autoren bewerten diese Befunde als eindeutig unterhalb dessen, was man von einer korrekt durchgeführten Arzneimittelstudie erwarten dürfe. Sie schließen mit der Bemerkung:
Zitat: Journal of Clinical Psychopharmacology, Februar 2006
Our findings raise serious questions about the quality of HAM-D assessments conducted in clinical drug trials. Considerably more attention needs to be paid to evaluating the quality of clinical assessments in industry-sponsored drug trials and to investigating the relationship between quality of clinical interview and trial outcome.

Dem kann man schwerlich widersprechen. Mit den bereits bekannten Tatsachen wie Wirkung auf Plazeboniveau, Abhängigkeit des gemessenen Effekts vom Sponsor/Finanzier und fragwürdiger Eignung der HAM-D ergibt sich ein fatales Gesamtbild für die Wirksamkeit dieser Medikamente.

Die hiermit erstmals belegte Tatsache, dass Antidepressiva-Studien nicht nur mangelhaft designt, sondern auch ungenau durchgeführt werden, lässt breiten Raum für Spekulationen. Vor allem rücken die Grundlagen der behördlichen Zulassung für SSRI/SNRI ins Zwielicht.

Aus vielen medizinischen Disziplinen sind Fälle bekannt, in denen Zulassungsdaten "geschönt" wurden. In einem aufsehenerregenden Fall hatte ein Prüfarzt beispielsweise Hunderte "virtueller" Patienten erfunden, um sich an Firmengeldern zu bereichern - aufgedeckt nicht etwa durch die Prüfbehörde, sondern durch konkurrierende Forscher und die auftraggebende Firma [5]. Obwohl die Studienresultate dadurch negativer ausfielen, stellte das BGA (heute BfArM) die Zulassung nicht zur Disposition. Jüngere Befunde zum Publication Bias bei Antidepressiva hatten ebenfalls keine Konsequenzen, obwohl es starke Anhaltspunkte gibt, dass Negativstudien unterdrückt wurden [6].
Daher ist festzustellen, dass gravierende Mängel der Zulassungsstudien - ob erfundene Patienten, verschwiegene Resultate oder falsch geführte Tests - bislang ohne größere Konsequenzen für die offizielle Bewertung eines Medikaments bleiben, selbst wenn gefährliche Schadwirkungen das Nutzen-Risiko-Verhältnis untragbar verschlechtern. Eingereichtes Material wird offenbar nur oberflächlich geprüft.

-PhilRS.
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    m (28) aus London / UK schrieb am 18.12.2005 Eintrag Nr. 11    
21. November 2005 http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,386024,00.html


PSYCHOKNAST IN CHINA

Irre ist, wer aufbegehrt

Von Annette Langer

Wang Wanxing ist der erste chinesische Regimekritiker, der aus der
Polizeipsychiatrie ins deutsche Exil entlassen wurde.
Mit SPIEGEL ONLINE sprach der Dissident über Elektroschocks,
Zwangsernährung und den täglichen Wahnsinn in
staatlichen Gefängniskliniken.

Frankfurt - Das Leid hat keine Spuren in seinem Gesicht hinterlassen:
Wang Wanxing strahlt. In freundlichen Farben hat der Chinese sein neues
Zuhause eingerichtet, eine winzige Zweizimmerwohnung in der Nähe von Frankfurt.
Den Spiegel umrankt eine blutrote Liliengirlande, vor den Fenstern hängen violette
Vorhänge. Zwischen der bescheidenen Einrichtung leuchtet ein gelber Plastikkoffer,
der zur Abreise bereitzustehen scheint.


Der 56-Jährige sitzt in Jeans und Turnschuhen am Küchentisch. Die goldumrandete
Brille erinnert an einen Intellektuellen, der glatt rasierte Kopf an einen
buddhistischen Mönch. "Meine ersten Zweifel an der Regierung hatte ich bereits als
Kind", erzählt Wang und erinnert an die Zeit zwischen 1959 und 1961, als etwa 43
Millionen Chinesen durch die Politik des "großen Sprungs nach vorn" an Hunger
starben. "Die Kommunisten streuten Gift auf konfisziertes Getreide, damit es nicht
gestohlen wird. Meine Großmutter hat in ihrer Not davon gegessen und ist qualvoll
gestorben."

Nie habe er seitdem über Unrecht schweigen können.
In den sechziger Jahren protestierte Wang gegen die Kulturrevolution. 1976 musste
er für einen Monat in Haft, weil er an den Tienanmen-Demonstrationen zu Ehren des
liberalen Politikers Zhou Enlai teilgenommen hatte. Nach einem Wahlaufruf für den
in Ungnade gefallenen Deng Xiaoping ging er für zwei Jahre ins Gefängnis.
Unermüdlich engagierte er sich weiter, unterstützte die Demokratiebewegungen der
Jahre 1979 und 1989.

Am 3. Juni 1992 schließlich fand Wangs politischer Kampf ein jähes Ende: Zum
dritten Jahrestag des blutigen Massakers entrollte er auf dem Platz des Himmlischen
Friedens ein Plakat, auf dem er die Regierung in leuchtend roten Schriftzeichen
aufforderte, die gewaltsame Niederschlagung der Studentenproteste aufzuarbeiten und
neu zu betrachten. "Ich hatte außerdem einen 23 Seiten langen Brief an Deng
Xiaoping geschrieben und Kopien davon an ausländische Journalisten geschickt",
berichtet Wang.

Die ließen sich nicht lange bitten, und erschienen zu der spektakulären
Ein-Mann-Aktion auf dem Tienanmen. Eine Provokation für die Sicherheitskräfte, die
den Demonstranten selbst sowie zwei japanische Reporter unverzüglich festnahmen. 30
Tage verbrachte Wang auf einer Pekinger Polizeiwache, dann wurde er in eine
polizeilich geführte psychiatrische Anstalt überstellt - ohne gerichtliche
Anhörung, ohne Verfahren, ohne Rechtsbeistand und ohne eine Ahnung davon, dass er
die kommenden 13 Jahre unter kriminellen Geisteskranken leben würde.

Künstlicher Winterschlaf in der Klapse

"Ich war überrascht, weil ich gedacht hatte, man würde mich ins Arbeitslager oder
ins Gefängnis bringen", erklärt Wang, dessen Hände beim Erzählen mit einem Ball zu
spielen scheinen. Stattdessen habe er sich plötzlich mit Dutzenden zum Teil
schwerstkriminellen Männern in einer geschlossenen Abteilung wiedergefunden. Die
Ärzte kamen schnell zu einer passenden Diagnose: Der Patient leide an "politischer
Paranoia" oder auch Monomanie, einer Krankheit, bei der auf wahnhafte Weise eine
bestimmte Idee verfolgt wird, hieß es.
So ominös die Diagnose auch sein mochte - die Therapie war konkret: Aus
Krankenhausunterlagen, die SPIEGEL ONLINE einsehen konnte, geht hervor, dass Wang
fast 13 Jahre lang mit Chlorpromazin behandelt wurde. Dabei handelt es sich um ein
weltweit bei der Behandlung von Schizophrenien eingesetztes antipsychotisches
Medikament, dessen Wirkung nicht ohne Grund als "künstlicher Winterschlaf"
beschrieben wurde: Zwar sind die Patienten bei Bewusstsein. Sie verlieren aber
zunehmend ihr Interesse an der Umwelt und sind permanent schläfrig.
"Die Medikamente waren das Schlimmste", erinnert sich Wang. "Ich habe dadurch
Herzbeschwerden bekommen." Am Anfang habe er die Tabletten noch genommen, weil er
einen Brief verschicken und sich deshalb kooperativ zeigen wollte. Später habe er
sie während der Übergabe im Mund versteckt, dann aufbewahrt und als Schlafmittel
benutzt. "Es gab Nächte, in denen ein ungestörter Schlaf wichtiger war als alles
andere."

Elektroschocks, Zwangsernährung, Prügeleien

Ankang - so der chinesische Name für die landesweit etwa 25 forensischen Kliniken -
bedeutet "Friede und Gesundheit". Das Leben des Patienten Wang war von einem
solchen Zustand weit entfernt. Immer wieder sei es zu gewaltsamen Übergriffen von
Seiten der Wärter gekommen, berichtet Wang. Manche Insassen seien mit schmerzhaften
Stromstößen im Rahmen einer Akupunkturbehandlung gequält worden. Ein Mann sei nach
einer solchen Behandlung an einem Herzanfall verstorben, ein weiterer Patient durch
brutale Maßnahmen während seiner Zwangsernährung erstickt.
Auch unter Patienten sei es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. "Es ist
schwer, mit diesen kranken Menschen zusammenzuleben", erklärt Wang. "Weil ich
jedoch im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte war, war es an mir, mit der Gewalt und
der Aggression klarzukommen." Wie er den täglichen Irrsinn überlebt habe? "Ich
hatte ein klares Bewusstsein darüber, was ich bin in der Welt. Ich wusste: Ich
kämpfe für die Menschenrechte, und ich bin stark."
Er habe einen klaren Kopf behalten, viel geschrieben, Sport getrieben und niemals
die Nahrung verweigert. So sei es ihm gelungen, nicht selbst wahnsinnig zu werden.
Außerdem galt: "Zwar hatte ich im Ankang weder Freiheit noch Zukunft, aber ich
konnte dort wenigstens in Ruhe ausländische Radiosender hören - etwas, das im
Gefängnis ganz unmöglich gewesen wäre."

Geisteskrank in China - rechtlos, hilflos, mundtot

Seine weltweite Bekanntheit als Dissident half Wang dabei, die lange Zeit im
Psychoknast zu überstehen. Seine Frau Junying und Tochter Meixi setzten sich ebenso
für seine Freilassung ein wie die Uno oder die Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch. 1999 kam Wang für drei Monate frei. Als er jedoch ankündigte, eine
Pressekonferenz geben zu wollen, wurde er erneut in die Psychiatrie gebracht. Nach
deutsch-chinesischen Verhandlungen kam Wang am 16. August 2005 frei und durfte in
die Bundesrepublik ausreisen, wo seine Familie bereits auf ihn wartete.
Der in Hongkong lebende Brite Robin Munro hat jahrelang in Sachen politische
Psychiatrie in China geforscht und seine Ergebnisse in einem knapp 300 Seiten
langen Bericht zusammengefasst*. Auf mindestens 4000 schätzt der
Menschenrechtsexperte die Zahl der politischen Ankang-Häftlinge in den letzten 25
Jahren. Den größten Zuwachs habe man Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre
verzeichnet. Damals machte der Anteil der politischen Häftlinge in den Ankangs etwa
zehn Prozent aus.
"Heute sind es weniger die klassischen Dissidenten von Verhaftung bedroht als
unliebsame Kritiker, die Korruption und Machtmissbrauch an ihren Arbeitsstätten
oder in den Gemeinden anprangern. Sie werden per Einweisung in die Ankangs schlicht
mundtot gemacht", empört sich Munro. "Es ist blanker Zynismus: Noch bis vor kurzem
glaubten viele Ankang-Psychiater tatsächlich, dass Dissidenten geisteskrank seien.
Heute benutzt die Obrigkeit die Anstalten, um die Leute zum Schweigen zu bringen.
In dem Moment, in dem die Polizei behauptet, jemand sei geisteskrank, verliert
diese Person sämtliche Rechte."

Kein anderer Weg

Wang Wangxing hat das gewusst, und doch immer wieder eine Verhaftung riskiert.
Gefragt, warum er keine andere Form des Protestes gewählt habe, um seine Familie zu
schützen, kehrt unvermittelt Stille ein. Wangs Hände sinken in den Schoß und sein
eben noch altersloses Gesicht wird grau. "Ich konnte nur so handeln. Es gab keinen
anderen Weg. Ich musste den Studenten helfen", sagt er schließlich. Von einer
Kommilitonin, die gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war, hatte er gehört,
dass die Studenten für den 4. Juni 1992 eine Demonstration planten. "Ich wollte
verhindern, dass sie sich in Gefahr bringen, und bin ihnen mit meiner Aktion
zuvorgekommen. Die Proteste wurden dann abgesagt."

Seit dem grauenvollen Massaker von 1989 habe er gewusst, dass er alles geben müsse,
um solches Leiden unmöglich zu machen. Fest glaube er daran, dass sich die
Situation in China bessern könne: "Ich will sobald wie möglich zurück, um für
bessere Bedingungen in den psychiatrischen Krankenhäusern zu kämpfen. Ich werde
weiter tun, was ich tun muss."
Menschenrechtsexperte Munro, der Wang gut kennt, wundert das nicht: "Wang Wanxing
ist ein ungewöhnlich idealistischer Mensch."

*Robin Munro: Dangerous Minds Political Psychiatry in China Today and its Origins
in the Mao Era, 298 Seiten, Human Rights Watch 2002


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    Psychosenetz Österreich (23) aus Wien / Österreich schrieb am 24.10.2005 Eintrag Nr. 10    
Das Projekt http://psychosenetz.com soll Angehörigen und Betroffenen kompetente Informationen über Psychose bieten. Es soll
eine Plattform werden, die Betroffenen hilft, ihre Krankheit zu realisieren und mit ihr zu leben. Forum und Chat sind der richtige Ort für Fragen und verständnisvolle Unterhaltung.
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    Rainer Heck (53) aus Reichelsheim / D schrieb am 09.10.2005 Eintrag Nr. 9    
Interesante Seite, guten Tag.
man entdeckt doch immer wieder sehr interessante Seiten in den Weiten des WWWs. habe sie mir abgespeichert um in Ruhe alles zu lesen. Aber weiter so.
Liebe grüße Rainer
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    Dr.Kurt Suwelack (77) aus D21789 Wingst / Germany schrieb am 13.09.2005 Eintrag Nr. 8    
Als Gast war ich 1965 mit Dr.Karel Kriekemans,Genk in Gheel. Als Mitglied des
Vereins " Die Brücke", Selbsthilfe für psychisch Kranke in Stade inte<ressiert mich die weitere
Entwicklung in Gheel
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    matthias (22) aus freiburg / bw schrieb am 01.09.2005 Eintrag Nr. 7    
GEBEN UND EINNEHMEN - ZUR GLAUBWÜRDIGKEIT VON SELBSTHILFEGRUPPEN

"Selbsthilfegruppen sind für Schwerkranke ein letzter Halt. Dabei arbeiten sie oft mit Pharmakonzernen zusammen und riskieren ihre Glaubwürdigkeit."

Zu diesem Schluss kommt ein ZEIT-Dossier von Martina Keller (http://www.zeit.de/2005/21/Pharmafirmen_neu). Danach gibt es in Deutschland mindestens 70.000 Initiativen mit drei Millionen Mitgliedern. Die Patientenverbände haben sich im Laufe der letzten Jahre emanzipiert und sind jetzt beispielsweise als wichtige Diskussionspartner im Gemeinsamen Bundesausschuss vertreten und an Entscheidungen über die medizinische Versorgung beteiligt.

Die Selbsthilfegruppen sind aber auch von der Pharmaindustrie als Kooperationspartner entdeckt worden, die sich aus einer Finanzierung der Gruppen Vorteile für ihre Interessen verspricht. "Ohne die Pharmaindustrie gäbe es uns nicht", sagt eine Sprecherin. Die Gruppen nehmen Einfluss auf Leitlinien und gesundheitspolitische Entscheidungen.

Über die Selbsthilfegruppen wird bei Ärzten häufig Verschreibungsdruck für neue und teure Arzneimittel ausgeübt. So werden beispielsweise in einem Buch über Brustkrebs "sehr häufig und für den Leser in keiner Form erkennbar objektive Informationen mit Vermarktungsstrategien der pharmazeutischen Industrie vermischt", so der Berliner Onkologe Professor Wolf-Dieter Ludwig, Vorstandsmitglied der AkdÄ. "Den Frauen wird suggeriert, die neuesten teuersten Substanzen seien auch die wirksamsten."

Es gibt auch Hinweise darauf, dass die pharmazeutische Industrie über ihren Einfluss auf die Patientengruppen das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel unterwandern will. Begründet wird die Unterstützung der Selbsthilfegruppen vordergründig mit dem uneigennützigen Wunsch, die Patienten aufzuklären.

Die AkdÄ sieht das gelungene und gut recherchierte Dossier als kritischen und wichtigen Beitrag zur Analyse des komplexen Beziehungsgeflechts zwischen Patienten, Ärzten und Pharmaindustrie und empfiehlt ihn zur Lektüre.

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Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
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    m.s. schrieb am 19.07.2005 Eintrag Nr. 6    
Sehr geehrter Herr S.,

ich bin freier Journalist und arbeite an einem Artikel
über psychische Krankheiten. Der Artikel
wird recht lang und daher breit angelegt.

Ich will versuchen herauszuarbeiten, was die Gesellschaft unter psychisch
krank und normal versteht und wie sie damit umgeht. Besonders interessant
erscheint mir jene - vermutlich sehr weite - Grauzone, die keine klare
Zuordnung zu krank oder gesund zulässt.

Wie kurz ist der Schritt zu einer behandlungsbedürftigen psychischen
Krankheit? Wie sehr ist ein psychisch Kranker noch heute stigmatisiert? Was
ist denn normal, was nicht - und wer bestimmt das? -
Hierfür bin ich auf der Suche nach Betroffenen, die bereit sind, mir ihre
Geschichte und ihre Sicht der Dinge zu erzählen.

Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

S.


Sehr geehrter Herr S.,


das ist eine lange geschichte und ein weites feld.

An meiner geschichte sind einige typische merkmale. So ergeht es vielen:
der zusammenbruch auf der grenze zwischen jugendlich- und erwachsensein
beispielsweise. In dieser zeit ist die identität eben generell
gefaehrdet. Die identitaet, das selbstgefuehl ist ueberhaupt "der
knackpunkt",wenn es um seelische krankheit/ gesundheit geht.

Zu Ihren fragen:
natuerlich gibt es ein empfinden dafuer, dass
man veraendert ist, bzw. etwas nicht stimmt. Es kann allerdings
auch so sein, dass man sich euphorisch und ekstatisch fuehlt, und
diesen zustand nicht beenden moechte. Dann ist das mit der sog.
krankheitseinsicht natuerlich so eine sache. Die "psychosen"
koennen eben positiv und/ oder katastrophal erlebt werden.
Man kann erfahrungen machen, die dem normalbewusstsein nicht
zugaenglich sind und die an religioese mystische zustaende
angrenzen. Altered states of mind, sozusagen. Das ist
auch etwas wert. Die kehrseite ist, dass man in diesen
zustaenden von seiner substanz lebt, und sich extrem
verausgabt. Die erholungsphasen muessen entsprechend lang sein,
und oft ist das wie das auftauchen aus einer fast gaenzlich
zerstörten truemmerlandschaft. Dann muss man stueck fuer stueck
sich selber wieder zusammensetzen.

Also, wenn es eine gabe ist, in diese zustaende geraten zu
koennen, dann doch eine sehr zwiespaeltige. Meist fuehle ich mich heutzutage
nicht krank. die begriffe krank/ gesund relativieren sich sehr, wenn man
erfahren hat, wie fragil das normalbewusstsein ist. Auch der "normale" lebt
ja durchaus in welten, deren realitaetsgehalt oft fragwuerdig ist. Paranoia
etwa ist ja heute eine staatlich gefoerderte bewusstseinshaltung (siehe al quaida
etc.).
Das fremde und die abgrenzung von ihm wird immer wieder zur
selbststabilisierung eingesetzt.
Im wahn hat das paranoide eine aehnliche funktion, wo der gaenzlichen
zersplitterung der person eben der wahn des verfolgtseins noch einen
letzten,wenn auch prekaeren, halt entgegensetzt.

Ein fluch ist die sache auch nicht, denn die erfahrungen in wahn und tiefer
trauer sind ein teil meiner selbst. Die kunst, oder sagen wir, das handwerk
besteht eben darin,sich selber zu steuern und zu bestimmen, was man moechte.

Der soziale aspekt ist vieleicht der, wo gesund- bzw. kranksein die groesste
rolle spielt: wenn freunde und bekannte sich abwenden und das geruecht vom
verruecktsein seine kreise zieht, ist man wirklich ein armer kerl.
Krank im kopf eben, ein willkommenes objekt der ab- und ausgernzung.
Die stigmatisierung ist das sahnehaeubchen auf dem persoenlichen chaos.
Das hat einem gerade noch gefehlt. Wenn man es schafft, der stigmatisierung
und festlegung auf die irrenrolle ein eigenes bild seiner selbst entgegenzustellen,
wird man weniger verwundbar fuer ausgrenzendes verhalten.

So, ich hoffe, Sie koennen mit meinen gedanken etwas anfangen und
wuensche Ihnen viel erfolg.

Ihr M.S.
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    matthias schrieb am 23.06.2005 Eintrag Nr. 5    
hallo herr bastman,
hallo herr micha,
hallo herr horst,

how dumb can you get?
ich finde diese beiträge als meinungsäusserung
und /oder ernsthafte mitteilung
doch extrem dürftig. da scheint es mir doch
an einigem zu hapern bei euch.
ich schätze kritik, aber vermisse bei euch etwas, auf das es sich lohnen wuerde, einzugehen.
in dieser form disqualifiziert ihr euch mit euren
erguessen selbst. geloescht. so leid es mir tut.
dies nur gesagt in der hoffnung auf besserung.
also
ran an die guten buecher. lernen, lernen,lernen.
von schaffrath lernen heisst zweifeln lernen!

ridikül
euer m.s.
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    Mimose (21) schrieb am 23.05.2005 Eintrag Nr. 4    
Ich hab irresein.de in meinen Favouriten. Weiter so :)

Liebe Grüße,
Mimose
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    matthias schrieb am 19.05.2005 Eintrag Nr. 3    

QTc-VERLÄNGERUNG DURCH NICHT KARDIALE ARZNEIMITTEL: ERHÖHTES RISIKO FÜR PLÖTZLICHEN HERZTOD

Der plötzliche Herztod gehört zu den häufigsten kardialen Todesursachen in zivilisierten Ländern, wobei vermutlich in den meisten Fällen ventrikuläre Arrhythmien ursächlich zugrunde liegen. Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, z. B. Torsade-de-Pointes-Arrhythmien, können durch Arzneimittel induziert werden. Für die individuelle Risikoabschätzung kann das QTc-Intervall im EKG herangezogen werden. Die AkdÄ hat darüber vor kurzem in einem Artikel der AVP zusammenfassend berichtet (1). Das QTc-Intervall selbst ist allerdings nur ein eingeschränkt nutzbarer Surrogatmarker, der über das tatsächliche Risiko nicht unbedingt etwas aussagen muss.

Im European Heart Journal wurden nun Ergebnisse einer niederländischen Fall-Kontroll-Studie publiziert, die erstmals das erhöhte Risiko eines plötzlichen Herztodes bei Einnahme QTc-verlängernder nicht kardialer Arzneimittel quantitativ ermittelt hat (2).

Aus einer großen longitudinalen Bevölkerungsstudie ("Integrated Primary Care Information Project, IPCI") wurden Daten von 775 Todesfällen mit der Diagnose "plötzlicher Herztod" mit Daten von insgesamt 6297 zufälligen Kontrollen verglichen, die in Alter (im Mittel 72 Jahre), Geschlecht und Todesdatum übereinstimmten. Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen nicht kardialen Arzneimitteln, die das QTc-Intervall verlängern (gemäß einer Liste der Georgetown University (3)) und plötzlichem Herztod zu untersuchen. Zu den untersuchten Wirkstoffen gehörten sehr häufig verordnete Substanzen wie z. B. Cisaprid, Domperidon, Erythromycin, Clarithromycin, Chlorpromazin und Haloperidol. Je nach Einnahme wurden Fälle und Kontrollen in die drei Gruppen "gegenwärtige Einnahme", "frühere Einnahme" und "keine Einnahme" eingeteilt.

Es zeigte sich, dass die gegenwärtige Einnahme nicht kardialer, QTc-verlängernder Arzneimittel mit einem signifikant fast auf das dreifache erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod verbunden ist (adjustierte OR 2,7; 95 % CI 1,6 bis 4,7). Einnahme der entsprechenden Arzneimittel in der Vergangenheit bzw. fehlende Einnahme war nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden. Das Risiko war erhöht bei Einnahme von Wirkstoffen für gastrointestinale und psychiatrische Indikationen (insbesondere bei höheren Dosierungen), nicht jedoch bei den untersuchten Antibiotika. Das höchste Risiko fand sich bei mit dem Antipsychotikum Haloperidol sowie mit dem Prokinetikum Domperidon behandelten Patienten. Das Risiko scheint für Frauen höher als für Männer zu sein, sowie höher bei älteren im Vergleich zu jüngeren Patienten. Das Risiko war außerdem höher in der frühen Phase nach Beginn einer Medikation, d. h. in den ersten 90 Tagen der Medikation.

Die Autoren berechnen, dass in den Niederlanden pro Jahr etwa 320 Fälle eines plötzlichen Herztodes aufgrund der Verwendung von QTc-verlängernden nicht kardialen Arzneimitteln zu verzeichnen sind. Dies entspricht Hochrechnungen auf etwa 15.000 Fälle jährlich in Europa und den USA. Damit steigt die Häufigkeit eines plötzlichen Herztodes von normalerweise vorkommenden ein bis zwei Fällen auf drei Fälle pro 1000 mit solchen Arzneimitteln behandelte Personen im Jahr. Selbstverständlich müssen die möglichen therapeutischen Vorteile der entsprechenden Arzneimittel aber gegen dieses Risiko abgewogen werden.

Besonders interessant scheinen die Befunde zu Cisaprid, bei welchem in der vorliegenden Studie kein erhöhtes Risiko gefunden wurde und bei dem im Jahr 2000 wegen schwerer Herzrhythmusstörungen das Ruhen der Zulassung angeordnet wurde. Das spezielle Risiko von Cisaprid dürfte wohl eher durch Arzneimittelinteraktionen verursacht sein (gleichzeitige Einnahme von CYP3A4-Inhibitoren). Domperidon jedoch, das als vermeintlich sicherere Variante zu Cisaprid diskutiert wurde, zeigte bei alleiniger Gabe ein fast vierfach erhöhtes Risiko.

1. Thürmann P, Ehrenthal K, Haen E: Arzneimittel-induzierte Torsade-de-Pointes-Arrhythmien. Arzneiverordnung in der Praxis 2004, 31: 66-67. http://www.akdae.de/25/Archiv/20043.pdf
2. Straus SM, Sturkenboom MC, Bleumink GS et al.: Non-cardiac QTc-prolonging drugs and the risk of sudden cardiac death. Eur Heart J 2005, epub ahead of print 11.05.2005 (PMID 15888497)
3. http://www.qtdrugs.org/medical-pros/drug-lists/drug-lists.htm

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